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Ce n’est pas une piste cyclable

Ce n’est pas une piste cyclable

Wahrscheinlich erzähle ich euch kein Geheimnis, wenn ich euch sage, dass Hamburgs Radwege, abseits der Touristenpfade unter aller Kanone sind. Kaum hundert Meter am Stück, die nicht vom Wurzelwerk der anstehenden Bäume angehoben, oder von löchrigem Bitumen überzogen sind. Natürlich könnte ich auch auf die Straße ausweichen. Den Stress möchte ich mir bei dem Hamburger Stadtverkehr allerdings so selten wie möglich antun. Deshalb weiche ich gerne auf den Gehweg aus. Vorausschauendes Fahren ist dabei für mich immer wichtig. Bei Fußgängern bremse ich rechtzeitig auf Schrittgeschwindigkeit ab und weiche gegebenenfalls aus.

So auch letztens, auf dem Weg zur Arbeit. Ein älterer Herr kam mir entgegen. Ich bremste ab, wechselte die Seite des Gehwegs und in dem Moment als er mich sah, tat er es mir gleich. Ich schwenkte den Lenker und er machte einen Ausfallschritt, wieder in meine Spur. Ich hielt an.
„Das ist hier kein Radweg.“, kam er mir entgegen.
„Ich weiß.“, erwiderte ich, „Allerdings ist mir der Radweg hier zu uneben. Deswegen bin ich auf den Gehweg ausgewichen.“
„Die Stadt hat doch extra die schönen Radwege von unseren Steuern gebaut. Da können sie die doch auch benutzen.“
„Die Radwege sind kaputt. Es macht keinen Spaß auf diesem Radweg zu fahren, wenn da nur Schlaglöcher drin sind. So fahr ich mir nur Achten rein.“, versuchte ich zu erklären.“
„Sie leben wohl auch von meinen Steuern?“, wich er aus.
„Bitte?“ Ich bin zwar unrasiert, aber deswegen doch nicht gleich arbeitslos. Freundchen, solche Fisimatenten kannst du dir klemmen. So nicht!
Offenbar hatte ich das alles mit mit meiner Frage transportiert. Er schaute kurz von meinem unrasierten Gesicht, über die Wachsjacke, zu den hellen frisch geputzten Halbschuhen, blieb mir eine Antwort schuldig und ging weiter.

Später auf dem Heimweg machte ich einen Umweg über Eimsbüttel. Irgendwo vor der Methfesselstraße kam mir ein älterer Herr entgegen. Als er mich wahrnahm, holte er eine kleine Taschenlampe raus und leuchtete auf den Boden, um besser auf sich aufmerksam zu machen. Ich bremste ab und lenkte vom Gehweg den Meter rüber auf die Radspur. Als ich knapp an ihm vorbei war brubbelte er: „Das ist hier kein Radweg.“
„Bitte?“ fragte ich, die Begegnung von vorher noch im Hinterkopf.
„Der Radweg ist hier, nicht hier.“ Er zeigte mit der Taschenlampe auf die jeweiligen Wegteile.
„Ich weiß.“, erwiderte ich, „Allerdings ist mit der Radweg hier zu uneben. Deswegen bin ich auf den Gehweg ausgewichen.“
„Wenn sie keine Lust auf Wurzeln haben, sollten sie hier auf dem Radweg fahren. Da vorne sind richtig große. Lebensgefährlich.“, betonte er und zeigte auf den knapp 50 Meter entfernten Baum. Als ich daran vorbei fuhr, merkte ich, dass er ein wenig übertrieben hatte. Wäre ich aber mit meiner vorherigen Geschwindigkeit weiter gefahren, hätte ich wohl einen ordentlichen Satz gemacht. Danke für den Hinweis.

XL

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