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Hallo liebe Autofahrer! Ich bin dieses Arschloch.

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Bevor ihr ins „Frechheit! So kann man doch nicht…! Wie soll man denn sonst…? Nirgends kann man noch…“ und vor allem „Aber ihr Radfahrer…!“ einstimmt. – Doch. Und ich mach das jetzt auch. Ich zeige euch an. Jedes Mal, wenn ich auf meinem Weg von euch behindert werde, mache ich ein Foto von eurem Auto und zeige euch an. Ich versuche mich so gut es geht an die Verkehrsregeln zu halten und das erwarte ich auch von euch.

Natürlich ist nicht jeder Autofahrer, der mal scheiße parkt ein Verbrecher und vermutlich meint ihr es nicht einmal böse. Ihr seid einfach unaufmerksam. Zumindest rede ich mir das ein. Aber Unaufmerksamkeit im Verkehr bringt einen selbst und andere in Gefahr. Wer schon jetzt keinen gemeinsamen Nenner mehr mit mir, aber einen Führerschein hat, geht jetzt bitte in die Küche, nimmt eine Schere und schneidet den Lappen durch.
Ich gehe davon aus, dass jeder, der ein Auto parkt auch einen Führerschein gemacht hat. Da zu meinen Falschparkfavoriten aber eine Fahrschule zählt, die immer wieder mal im absoluten Halteverbot oder auf dem Gehweg vor dem Laden parkt zweifle ich allerdings am Sinn dessen.

Eure Freude am Fahren und eurer Zoom Zoom gönne ich euch ja. Es geht um’s besser ankommen, hab ich verstanden. Und was macht ihr dann? Klar will jeder seine Mühle vor der Tür stehen haben. Habt ihr euch mal überlegt, wie das bei einem 3-stöckigen Mehrfamilienhaus überhaupt gehen soll? Vielleicht nicht. Und vielleicht ist es euch auch gar nicht aufgefallen, aber das geht nicht. Da ist nicht genug Platz. Auch nicht auf dem Geh- und Radweg. Denn auch wenn da in dem Moment, in dem ihr des Deutschen liebstes Kind dort abstellt keiner da ist, da kommen Leute. Und die wollen da lang. Das versteht sogar der begriffsstutzigste Falschparker, denn sonst würde er einfach auf der 4-spurigen Straße stehen bleiben und sich gar nicht erst die Mühe machen von der Fahrbahn rüberzulenken.

Ich rede hier nicht von denen, die ihren Umzug fahren oder mal kurz rechts halten, um etwas einzuladen. Ich reden von denen, die vor der Bank auf den Radweg fahren, um kurz Geld zu holen, denen die jeden Abend vom Auto direkt ins Bett steigen wollen und deshalb unbedingt vor ihrer Tür parken müssen, von denen, die zum Sport mit dem Auto fahren und dann nicht ins Parkhaus gegenüber wollen. Das geht doch besser!
Ich habe außerdem keine Lust mehr auf eure Ausreden. Von „Aber da passt du doch dran vorbei.“ bis „Aber ich muss nur kurz arbeiten gehen.“ habe ich wohl alles gehört und jedes Mal stand mir ein Auto im Weg und die Person im Wagen hat’s einfach nicht geblickt. Wenn ihr euch dazu entscheidet scheiße zu stehen, und auch auf Ansprache nicht sinnvoll reagiert, steht auch zu den Konsequenzen und zahlt den Bußgeldbescheid.

Aber so weit muss es ja gar nicht erst kommen und deshalb hier noch ein kurzes Gedankenexperiment zum Üben:

  •  „Darf ich auf dem Radweg parken?“ – „Nein.“
  • „Darf ich auf dem Gehweg daneben parken?“ – „Nope.“
  • „Darf ich auf dem braunen Stück Rasen da hinten parken? Da muss ich nur kurz über den Radweg…“- „No way, José!“
  • „Hier ist nicht mehr wirklich Platz, aber ich pass da schon noch rein. Darf ich…“ – Musst du dafür den Bordstein hochfahren? – „Öhm, vermutlich.“ – „Kommst du selbst drauf?“

Wer’s noch genauer braucht, schaut einfach in die StVO.

Bringt’s was?

Falsches Parken auf Geh- und Radwegen mit Behinderung anderer wird nach dem aktuellen Bußgeldkatalog mit 30 Euro geahndet. Das kann man ja mal zahlen. Aber ich treffe immer wieder auf die gleichen bescheuert abgestellten Fahrzeuge. Jedes Mal zeige ich die an. Das macht dann unter der Woche ein Bußgeld von 150 Euro. Am Wochenende fahre ich eventuell auch an denen vorbei und in der Woche darauf muss ich wieder zur Arbeit.
Im diesem Jahr schrieb ich 142 Anzeigen gegen Radwegparker und der Januar ist gerade erst vorbei. Dabei nahm ich nur die Pfeifen, die tatsächlich den Radweg beparkten, oder auf dem Bürgersteig so dicht daran parkten, dass ich selbst nicht mit genug Abstand daran vorbei kam, ohne den Radweg zu verlassen. Und auch nur die, die auf meiner Fahrbahnseite doof standen. Auf einige treffe ich schon nicht mehr an ihren üblichen Stellen. Der eine Mercedes ist aber recht beständig und ein Toyota meint, es wär okay, statt im absoluten Haltevorbot zu parken, sich um die Ecke vor die Fußgängerampel auf den Gehweg zu quetschen. Da kommt noch Post.

Aber es hat ja niemand soviel Zeit bei der Polizei zu sitzen, wird sich mancher denken. Und für die Polizisten hoffe ich, dass das auch so ist. Ich zumindest hab die Zeit nicht. Aber das braucht es auch nicht, weil man die Anzeigen ganz gemütlich per E-Mail verschicken kann. Vom Smartphone aus, wo die Fotos ohnehin drauf sind, geht’s sogar supereinfach, zumal es eh fast immer die gleichen Fälle sind und ich den Text dann einfach kopieren kann. Als Antwort auf die Mail kommt dann irgendwann die automatische Antwort zur Eingangsbestätigung.

In Hamburg ist die Bußgeldstelle unter anzeigenbussgeldstelle@eza.hamburg.de erreichbar. In anderen Städten geht das auch. Und in die Anzeige kommt dann einfach:

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Vorname Nachname
Straße Hausnummmer
PLZ Ort

Einwohner-Zentralamt
Abteilung für Bußgeld- und Verwarnungsangelegenheiten (Bußgeldstelle)
Hammer Straße 30-34
22041 Hamburg

Hamburg, TT.MM.JJJJ

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erstatte ich Anzeige wegen folgender Verkehrsordnungswidrigkeit gegen den Fahrer des nachstehend genannten Fahrzeug mit folgenden Angaben:

Tatvorwurf: Parken auf dem benutzungspflichtigen Radweg mit Behinderung
Begründung: Ich befuhr mit dem Fahrrad den Radweg der nachstehend genannten Straße und konnte das nachstehend genannte Fahrzeug nicht ohne deutliches abbremsen meiner Fahrtgeschwindigkeit bzw. anhalten gefahrlos passieren.

Beweismittel: Beigefügtes Foto

Tatort

Straße: *möglichst mit Hausnummer
Ort:
Datum: TT.MM.JJJJ
Uhrzeit: xx:xx Uhr

Angaben zum Fahrzeug

Amtliches Kennzeichen:
Fabrikat:
Farbe:

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Foto dran und das ist es auch schon. Zapp 30 Euro für die Stadtkasse.

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Nebenbei gab’s noch ein paar Anzeigen, weil der eine oder andere nicht weiß, wann und wie überholt wird. Aber das Fass mache ich hier nicht weiter auf.

XL

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Comments
  • ulli01 Februar 2017
    Antworten

    geile Nummer Axel.. das nenn ich mal nen produktiven Januar

  • Joachim01 Februar 2017
    Antworten

    Als letzten Satz:

    „Ich bitte, mich vom Ausgang des Verfahrens zu unterrichten“.

    Dann erhaltet Ihr eine entsprechende Nachricht vom zuständigen Amt.

  • Cirrus01 Februar 2017
    Antworten
  • falschparker einfach anzeigen | roibermeta01 Februar 2017
    Antworten

    […] hier gibt es eine schöne vorlage zur erstattung einer anzeige, wenn mal wieder jemand falsch parkt, bspw. auf dem radweg. der autor liefert auch begründung und argumente, falls noch jemand skrupel wegen denunziantentum hat: […]

  • -thh01 Februar 2017
    Antworten

    Sie schreiben schon richtig: ordnungswidrig ist das Verhalten des Fahrers – nicht des Halters. Und der Fahrer muss positiv festgestellt, mithin ermittelt werden. Das ist bei geeigneter Konstellation gar nicht so einfach bis unmöglich. So schnell wird es daher nichts mit den 30,- €.

    (Allerdings hat der Halter ggf. die Verfahrenskosten zu tragen, wenn der Fahrer bei Parkverstößen nicht ermittelbar ist. Immerhin.)

    Bitte auch nicht vergessen: wenn der Fahrer das Verwarnungsgeld nicht zahlt und gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegt, wird vor Gericht verhandelt. Und das kann schon bedeuten, dass der Anzeigeerstatter btw. Fotograf da als Zeuge gehört werden muss. Selbst wenn das nur in 5% der Fälle geschieht, sind das bei 142 Anzeigen im Monat 7 Gerichtstermine. Da kann man nur hoffen, dass das einkalkuliert ist und mit Beruf/selbständiger Tätigkeit/Freizeit harmoniert …

  • user unknown01 Februar 2017
    Antworten

    Der die Anzeige kriegt, erfährt der, wer sie erstattet hat?

    Vor der Torausfahrt meiner Mietwohnung ist nämlich oft zugeparkt, bei absolutem Halteverbot, so dass man schlecht auf die Straße rauskommt. Des weiteren behindern die PKWs die Sicht auf den folgenden Fußgängerüberweg, das Überqueren der Straße, insbesondere für Kinderwägen und Rollstühle, sowie das Abbiegen für große Feuerwehrautos.

    Andererseits will ich hier noch länger wohnen bleiben und mir nicht massig Feinde machen.

    • XL02 Februar 2017
      Antworten

      Anonyme Anzeigen werden meines Wissens in Deutschland nicht verfolgt. Du musst schon eine ladungsfähige Anschrift angeben. Zum Beispiel, dass du als Zeuge befragt werden kannst. Üblicherweise sollten die Beamten darauf achten, nicht deine Daten in die Anzeige zu schreiben. Das klappt mal mehr und mal weniger gut. Über die Akteneinsicht kann ein Anwalt aber zum Beispiel erfragen, wer die Anzeige eingereicht hat. Wenn du deine Nachbarn kennst, du so schlecht stehen und dich traust, sprich sie einfach mal drauf an. Dass kann ja auch ganz locker im Hausflur passieren. „Hast du eigentlich die Deppen gesehen, die immer den Fußgängerweg zuparken? Da kommt man ja kaum vorbei. Eigentlich ein Wunder, dass die noch nicht abgeschleppt wurden.“ Oder du schreibst einfach mal ’nen Zettel. Wie oben schon gesagt. Die meisten parken nicht aus Bosheit schlecht. Die kommen nach Hause, standen vielleicht noch eine halbe Stunde in der Rush-Hour und müssen aber auch noch die Kinder vom Flötenunterricht abholen. Mach sie drauf aufmerksam und guck, ob sich das ändert.

      Wenn eine konkrete Gefährdung anderer stattfindet, kannst du auch einfach die 110 anrufen, ein Verkehrshindernis melden und die Lage schildern. Wie sowas ablaufen kann, gibt’s hier nachzulesen. http://www.autofreies-kreuzberg.de/radwege-frei.html

      Einen Nachbarschaftsstreit musst du deswegen nicht vom Zaun brechen, aber drüber reden muss man können.

  • Christian01 Februar 2017
    Antworten

    Gute Arbeit. :)
    Mich interessiert, was die Bußgeldstelle aus den Anzeigen macht.
    Gibt es da ein Feedback zu?
    Wurden von den 142 Anzeigen auch welche abgelehnt?
    Waren es immer nur 30-Euro-Bußgelder oder kann das bei Feuerwehrzufahren u. ä. auch teurer werden?
    Kann man den Status des Vorgangs vielleicht sogar online abfragen?
    Was passiert, wenn ein Fahrzeughalter widerspricht?
    Sieht man sich dann vor Gericht wieder?

    Vielen Dank für Deinen Einsatz!

  • Bme01 Februar 2017
    Antworten

    Miteinander ist das Stichwort. Auf dem Radweg parken geht gar nicht. Anschwärzen aber genau so wenig. Abgesehen davon würde bei einer solchen Anzeige der Halter angeschrieben. Reagiert der nicht mit der Herausgabe des Fahrers wird das Verfahren eingestellt und kostet höchsten 30€, in dem Fall aber den Steuerzahler…also auch die Radfahrer.

    Ich parke nie rechtswidrig – okay, manchmal lasse ich den Parkschein weg – aber diese Reaktion ist albern.

    • ohno01 Februar 2017
      Antworten

      Mag ja sein, dass „Anschwärzen“ nicht nett ist oder so. Aber es geht nicht „genau so wenig“. Du wirst jetzt schon erklären müssen, warum Du einen Rechtsbruch für genau so schlimm hältst wie eine völlig legitime Handlung. Nur weil’s Dir nicht passt?

    • Lolo02 Februar 2017
      Antworten

      Woher nehmen Sie Ihr Wissen? Rückt der Halter nicht mit den Fahrerdaten raus, kann er zum Führen eines Fahrtenbuches verpflichtet werden. Dass Sie fast immer ordnungsgemäß parken ist ja löblich!

      • -thh02 Februar 2017
        Antworten

        Eine Fahrtenbuchauflage setzt einen Verkehrsverstoß von einigem Gewicht voraus. Wenn für den Verstoß kein „Punkt“ vorgesehen ist, kommt eine Auflage nur in Ausnahmefällen in Betracht. Gerade „einfache“ Parkverstöße werden nur in wirklich ausgesprochen hartnäckigen Fällen ausreichen.

  • XL02 Februar 2017
    Antworten

    Da sind jetzt ja doch ein paar mehr Fragen aufgekommen, als ich anfangs erwartet habe. Mal gucken, ob ich das in einem Schwung klären kann.

    Indirektes Feedback der Autofahrer habe ich erlebt, da an den üblichen Stellen jetzt entweder keine Wagen mehr parken, oder jemand anderes als in den Wochen vorher. Direktes Feedback habe ich, abgesehen von den automatischen Antwortmails, von der Bußgeldstelle nicht bekommen. Ebensowenig Ablehnungen. Und Vorladungen zum Gericht gab es auch noch nicht. Wenn das noch passiert fahre ich selbstverständlich hin. Das will ich mir mal angucken. Allerdings wäre ich überrascht, wenn wegen einer Ordnungswidrigkeit (OWi) ein Gerichtsverfahren aufgemacht wird. Verfahrenskosten im Sinn von Gerichts- und Anwaltskosten sehe ich da noch nicht und dass die Beamten in der Bußgeldstelle von Steuergeldern bezahlt werden, davon gehe ich aus. Das passiert allerdings auch, wenn keine Ordnungswidrigkeiten angezeigt werden. Wenn jemand genauere Zahlen hat, gerne her damit.

    Zum Status hatte Joachim einen Satz geschrieben, den ich demnächst bestimmt mal mit in die Anzeige nehme. Zu allen Anzeigen will ich gar keine Rückmeldung haben. Und ansonsten gilt wohl, dass sich zu laufenden Ermittlungen nicht geäußert wird.

    Wie die OWi-anzeige genau aussieht, weiß ich nicht, da ich noch nicht in die Verlegenheit kam auf dem Radweg parken zu müssen und dann noch dafür angezeigt zu werden. Ich bekam allerdings mal eine OWi-anzeige. Sie lautete „Sie bremsten als Radfahrer ab und kamen zu Fall“ und wurde gegen mich eingestellt. Da ich den Anhörungsbogen dazu weggeschickt habe, kann ich die die Euro-Beträge nicht mehr wieder geben. Ich gehe aber davon aus, dass die ähnlich aufgebaut ist, wie das, was den Fahrzeughaltern zu geht. Das bedeutet, der Sachverhalt wird dargelegt, der Bußgeldbetrag wird gefordert oder man kann dem ganzen widersprechen und den Anhörungsbogen ausfüllen. Beim Abschicken des Bogens ist dem Halter bewusst, dass wenn die Bußgeldstelle die Darlegung nicht für ausreichend hält um den Fall einzustellen, sondern auf dem Bußgeld besteht, ein erhöhtes Bußgeld fällig wird. Wenn dazu jemand Zahlen hat, gerne her damit.

    Und da deutsche Beamte™ nicht unbedingt für ihren Humor berühmt sind, lassen die sich nicht unbedingt vorführen. Wenn jemand behauptet, das Auto hätte da nicht gestanden, gibt’s das Bild. Wenn einer sagt: „Mag ja sein, dass mein Auto da steht, aber ich hab das da nicht hingestellt und aus meiner Familie muss ich niemanden belasten.“ wird die OWi-Anzeige vom Montag vermutlich eingestellt. Vielleicht auch noch die vom Dienstag und meinetwegen auch die vom Mittwoch. Aber es kommt der Zeitpunkt, da wollen die wissen, wer das da hinstellt. Völlig autonom parkende Autos gibt es meines Wissens noch keine zugelassenen im Straßenverkehr. Um herauszufinden, wer das Auto wann benutzt, kann das Gericht ein Fahrtenbuch anordnen. Das löst dann entweder die Frage nach dem schlechten Fahrer oder dem Parkplatz. Oder es löst, falls mal vergessen wurde das Fahrtenbuch ausgerechnet dann zu führen, wenn eine OWi-Anzeige gegen den Fahrzeughalter mit der gerichtlichen Auflage vorliegt, eine weitere Eskalationsstufe beim Gericht aus. Ich bin kein Anwalt und das alles hier ersetzt keine Rechtsbelehrung. Wäre ich allerdings Anwalt, würde ich meinem Mandanten raten, das Fahrtenbuch lückenlos zu führen.

    Zu den Bußgeldern bei Feuerwehrzufahrten habe ich bei Online-Bußgeldrechnern gesehen, dass es mit 35 Euro ohne Behinderung und mit 65 Euro und einem Punkt bei Behinderung (vermutlich von Einsatzfahrzeugen) etwas stärker geahndet wird. Mir wurde heute aber auch geschrieben, dass die Online-Bußgeldrechner gerne mal ein bisschen daneben liegen. Für mich ist klar, dass ich nicht in dem brennenden Haus sitzen will, wenn die Feuerwehr wegen eines Auto, dass die Zufahrt blockiert erst den langen Schlauch ausrollen muss. Wenn ich es mir recht überlege möchte ich überhaupt gar nicht in einem brennenden Haus sitzen. Und wenn ich überlege, dass die meisten Leute ihr Auto vor dem eigenen Haus haben wollen und dann aber auch Feuerwehrzufahrten zugeparkt sind, möchte ich mit den Leuten, die so gut mitdenken auch nicht die Straße teilen.

    • -thh02 Februar 2017
      Antworten

      „Und Vorladungen zum Gericht gab es auch noch nicht. Wenn das noch passiert fahre ich selbstverständlich hin. Das will ich mir mal angucken.“

      Wenn die Anzeigen aus dem Januar sind, kann es die auch noch nicht geben; das braucht seine Zeit und wird dann, je nach Auslastung, eher um die Jahresmitte sein. Und selbstverständlich fahren Sie da hin; Sie sind als Zeuge zum Erscheinen vor Gericht verpflichtet, es sei denn, es besteht ein ganz besonderer Ausnahmefall. Arbeit, nicht fest gebuchter Urlaub und private Verpflichtungen sind demgegenüber nachrangig. Das sollte man gerade bei einer großen Zahl von Anzeigen im Auge behalten – was beim ersten Mal noch spannend ist, ist beim zehnten Mal eine Last …

      „Allerdings wäre ich überrascht, wenn wegen einer Ordnungswidrigkeit (OWi) ein Gerichtsverfahren aufgemacht wird.“

      Es überrascht mich, dass Sie das überrascht. Wird ein Verwarnungsgeld nicht bezahlt, wird – falls das Verfahren nicht eingestellt wird – ein Bußgeldbescheid erlassen. Wird gegen den Einspruch eingelegt, wird selbstverständlich vor Gericht verhandelt, falls es nicht irgendwann zur Einstellung kommt. Klar geht es da meist um höhere Beträge, Punkte oder Fahrverbote, aber nicht zwingend; und natürlich ist die Chance hoch, dass das Gericht nicht wegen 30,- € lange verhandelt, sondern das Verfahren wegen Geringfügigkeit einstellt. Im Grundsatz ist das aber der Weg.

      Ich will damit auch nicht sagen, dass es falsch wäre, diese Anzeigen zu erstatten. Nur ist der Automatismus „Anzeige = 30,- €“ in keiner Weise gegeben. Etliche werden zahlen, andere – und sei es aus Prinzip – nicht. Nicht selten wird dann die Fahrerermittlung fehlschlagen und es bei den Verfahrenskosten bleiben; der für die 30,- € zu betreibende staatliche Aufwand steht aber in keinem Verhältnis dazu und kann potentiell auch zu erheblichem Aufwand für den Anzeigeerstatter als Zeugen führen – je höher die Zahl der Anzeigen, desto größer die statistische Wahrscheinlichkeit dafür. :)

      „Um herauszufinden, wer das Auto wann benutzt, kann das Gericht ein Fahrtenbuch anordnen.“

      Nicht das Gericht, aber die Verwaltungsbehörde – aber nicht wegen einer Handvoll Parkverstöße. Da müssen schon vergleichsweise extreme Zahlen zusammenkommen.

  • Tron02 Februar 2017
    Antworten

    Bin gespannt wann du das erste mal „zu recht“ auf die Fressen gehauen bekommst… Denunzianten und Selbstjustiz ist genau das was das Land noch braucht!

    • XL02 Februar 2017
      Antworten

      Da scheinen mir in paar Dinge durcheinander geraten zu sein. Wenn ich die Radwegparker anzeige, denunziere ich keinen, da das nicht aus niederen Beweggründen stattfindet und ich übe keine Selbstjustiz, da ich den Täter nicht selbst bestrafe. Hast du den ganzen Text gelesen? Ich weiß noch nicht ganz was du mit „zu recht“ in Tüdelchen meinst. Entweder jemand haut mir zu recht auf die Fresse oder nicht. Wenn mir eine Person, die ich, weil sie ihr Auto falsch parkt und damit andere behindert oder gefährdet, für diese Ordnungswidrigkeit anzeige und diese mir dafür „zu recht“ auf die Fresse haut, ist das Selbstjustiz und diese Person macht sich strafbar. Wenn ich dieser Person dann, um mich vor diesem Angriff zu schützen, auf die Fresse haue, nennt man das Selbstverteidigung und geschieht zu recht. Vielleicht macht es dieses Beispiel etwas klarer.
      Laut deiner IP-Adresse bist du in der Schweiz. Das kann natürlich sein, dass das in deinem Land anders ist. Ich frag einfach nochmal die Schweizer, die ich kenne.

    • Halle Verkehrt03 August 2017
      Antworten

      Körperliche Gewalt wäre noch weniger „zu recht“, als einen Bagger zu nehmen und den Falschparker einfach auf die Fahrbahn zu schieben.

      Meist ist der Fahrzeughalter ja bekannt (Kennzeichen), und wer wegen eines lumpigen Parktickets im Straßenverkehr gewalttätig wird oder es auch nur ernsthaft androht, dessen Tauglichkeit zur Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr sollte ernsthaft und gründlich überprüft werden – ich plädiere auf 3 Monate laufen.

      Allerdings wäre Abschleppen lassen (Gefährdung des Straßenverkehrs) die noch wirksamere Lösung, kostet aber auch deutlich mehr Zeit und lohnt sich nicht bei Kurzparkern.

  • Romy02 Februar 2017
    Antworten

    Weiter so, Axel!
    Stadt Hamburg dankt’s bestimmt irgendwann mal mit der Renovierung der Radwege. Hoffentlich. ;)

    • XL02 Februar 2017
      Antworten

      Tatsächlich wird schon viel in der Stadt in der Hinsicht gemacht. Vor allem werden Radwege auf die Fahrbahn gelegt oder Radschutzstreifen gemalt. Beides ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es schafft zumindest Sichtbarkeit der Radfahrer für die Autofahrer im Straßenverkehr. Bisher war das fahren abseits der Fahrbahn als Normalität angesehen und so langsam wird das halt auch auf der Fahrbahn normal. Erlaubt ist das an vielen Stellen ja sowieso schon.

  • Chris Haus02 Februar 2017
    Antworten

    Super wäre es doch, wenn man einfach öfter mal sein Fahrrad (mit Warnblinker) mitten auf die Straße stellt. Es ist ja dasselbe in grün, auch wenn es den meisten Autofahrern gar nicht bewußt ist..

  • Daniel02 Februar 2017
    Antworten

    … und zap, die Email als Vorlage auf dem Emailprogramm im Handy gespeichert. Bedankt :-)

  • jke03 Februar 2017
    Antworten

    Sehr gut.

  • Links der Woche #72 | It started with a fight...05 Februar 2017
    Antworten

    […] Hallo liebe Autofahrer! Ich bin dieses Arschloch. (Keinehosensonntag) […]

  • Francois06 Februar 2017
    Antworten

    Die Bußgeldstelle akzeptiert übrigens auch Anzeigen aus dem fließendem Verkehr (Engüberholer und Rechtsabbieger).
    Also immer weiter so.

  • U-Lock Justice06 Februar 2017
    Antworten

    Super. Weiter so.
    Ich habe im letzten Jahr selbst eine hohe 3-stellige Anzahl an Anzeigen geschrieben.
    Vor Gericht ging eine. Bzw. auch nicht. Der Anwalt hatte dem Beschuldigten wohl doch klar machen können, dass die Beweise aussagekräftig genug waren.
    Ordnungswidrigkeiten werden in der Regel auch nicht fallen gelassen.
    Halterhaftung ist das Stichwort.
    Verstösse im ruhenden Verkehr sind viel einfacher zu handhaben, da das Fahrzeug ja offensichtlich falsch steht. Wer es gefahren hat spielt, im Gegensatz zu Geschwindigkeitsverstössen, keine Rolle.

  • Als Radwegparker hat man kaum etwas zu befürchten | It started with a fight...07 Februar 2017
    Antworten

    […] ihr nichts weiter ein. Auch keine intensiveren Kontrollen. Vielleicht muss man es daher doch wie Florian aus Hamburg […]

  • flinker08 Februar 2017
    Antworten

    es wirkt tatsächlich und in späteren Diskussionen in Regionalparlamenten kann es nützlich sein, die 100 Fotos übers Jahr verteilt von genau derselben Stelle als Anschauungsmaterial zu haben, warum die bestehende Situation für Radfahrer inakzeptabel ist. Für meinen Workflow finde ich http://pastebin.com/WzAZP1mj gut, das erkennt sogar direkt das Kennzeichen und trägt es in die E-Mail-Vorlage ein.

  • Möppelfant11 März 2017
    Antworten

    Neulich meinte ein Paketfahrer, nicht nur den Fahrradweg komplett, sondern auch noch die Fahrspur für Autos im Kreuzungsbereich teilweise blockieren zu müssen. Meinen wenig dezenten Hinweis auf sein Fehlverhalten entgegnete er dann mit einigen üblen Beleidigungen. Nun ja, Fotos gemacht, Anzeige erstattet und seinen Arbeit- oder Auftraggeber zusätzlich informiert. Zwischenzeitlich habe ich auch schon ein Aktenzeichen der Polizei genannt bekommen und bin sehr gespannt, wie es nun weitergeht.

    Ich habe übrigens keine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen Falschparkens erstattet, sondern eine Strafanzeige wegen eines Gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Ob ich wegen der Beleidigungen zusätzlich noch einen Strafantrag stelle, muss ich mir noch überlegen, weil ich leider keine Zeugen benennen kann, die seine Äußerungen gehört haben.

  • IchWillNichtVerhaftetWerden16 Mai 2017
    Antworten

    Tod allen Autofahrern. NOCH nie habe ich Einsicht von Autofahrern bemerkt, wenn man fast totgefahren wird.
    Noch nie haben ich die faulen Bullen den Radweg freiräumen sehen. Jedes fehlende Rücklicht oder „Benutzung des Radweges in für Hamburg falscher Richtig“ wird von dem grünen Gesocks genutzt um Radfahrer zu schikanieren.
    Aber noch NIE. Wirklich NIEMALS hat auch nur ein Bulle den Bollerwagen mit 10 KitaKids vom Radweg geholt, die ganzen Rollstuhlfahrer drauf hingewiesen das es weder legal ist noch das Bepöbeln von Radfahrern ok wäre.
    Ne, Hamburgs Polizei macht GAR NICHTS. Fahrradunfälle werden von einer Spezialeinheit behandelt deren Reaktionsgeschwindigkeit WEIT unter der eines Einschreibens liegt.

    Hamburgs Polizei verstößt selber fortlaufend jeden fucking Tag gegen die StVo, fährt selbst mit dem Rad in die falsche Richtung, parkt Polizeiautos OHNE Grund auf Radwegen… ich bin der Meinung Hamburgs Polizei selbst ist das mit Abstand größte Problem.

  • Djure16 Mai 2017
    Antworten

    Toller Beitrag. Cooles Vorgehen. Wie machst Du das mit den Überholern? Was ist da Dein Beweismittel?

    • XL16 Mai 2017
      Antworten

      Überholen als solches ist ja kein Problem. Oft kann ich aber die Leute, die zu knapp überholen wenn ich die Fahrbahn benutze an der nächsten roten Ampel ansprechen. Auf viel Einsicht und Verständnis meiner Situation bin ich dabei selten gestoßen. Wenn’s zu erwarten wäre, würde ich weniger oft geschnitten. Viele fahren gefährlich, weil sie vorbei passen. An Sicherheitsabstand denken die dabei nicht. Das fällt besonders bei Fahrten auf gestrichelten Radschutzstreifen auf. Deren Funktion wird außer Kraft gesetzt, wenn Autofahrer die Strichellinie als Führungslinie für den rechten Außenspiegel nutzen. Überrascht bin ich immer wieder, wenn Leute mir zu verstehen geben, dass sie zu knapp überholen und einen Sturz meinerseits in Kauf nehmen, weil sie der Meinung sind, dass ich als Radfahrer nicht auf die Fahrbahn dürfe und auf den Radweg müsse – egal ob benutzungspflichtig, benutzbar, oder überhaupt vorhanden. Ich fahre mit Helmkamera. Ab und an treffe ich auch andere Radfahrer, die eine Action-Cam am Lenkerrohr haben. Die Polizei und die Bußgeldstelle nehmen auch Beweismittel aus dem fließenden Verkehr an. Überholen trotz Gegenverkehrs wird ernst genommen. Für sowas nutze ich u.a. die Onlinewache der Polizei Hamburg.

      • Djure16 Mai 2017
        Antworten

        Helmkamera ist zulässig?

        • XL16 Mai 2017
          Antworten

          Ich bin kein Anwalt und kann keine Rechtsberatung anbieten, aber da ich nicht vorsätzlich „auf Jagd“ nach Verkehrssündern gehe und lediglich meine Fahrten filme, ja. Die Aufnahme selbst ist durch die Panoramafreiheit gedeckt und eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten besteht nicht, solange nur Fahrzeug drauf ist. Selbst wenn eine Person zu erkennen ist, werden die Persönlichkeitsrechte im öffentlichen Raum nicht verletzt, solange ich das Material nicht öffentlich, über Youtube, o. ä., zugänglich mache. Ich hatte mal ein Gerichtsurteil gelesen, dass Videomaterial als Beweismittel zuließ. Das Gericht sprach dabei dann auch, von einer hinzunehmenden Einschränkung der Persönlichkeitsrechte des gefährlich fahrenden Kraftfahrers. Und selbst wenn es nicht als Beweismittel zugelassen wird, bleibe ich selbst glaubwürdig. Es gibt ja doch häufiger als von mir gewünscht Anlass eine Anzeige zu verfassen.

  • Mathias Schreiber17 Mai 2017
    Antworten

    Finde die Initiative gut.

    Was wären deine Vorschläge für:
    Radfahrer biegt trotz roter Ampel ab?

    Radfahrer kommt mir in Einbahnstraße entgegen?

    Radfahrer fährt trotz freiem Radweg lieber mit 15km/h auf der Bundesstraße (leider so, das Überholen den Meter Abstand nicht zu lässt)?

    Ich bin gegen das Blockieren von Radwegen, keine Frage.
    Aber ich werde ständig von Radfahrer dumm angemacht, wenn man diese auf ihre Verstöße aufmerksam macht.

    Daher meine Abschlussfrage:
    Warum genau halten sich viele Radfahrer für bessere Menschen, auch wenn sie die selbe Scheisse bauen?

    • XL17 Mai 2017
      Antworten

      Pauschal lassen sich deine Fragen nicht beantworten und gehen über das eigentliche Thema des Artikels hinaus, aber ich versuch’s mal.
      Bei der Frage nach den abbiegenden Radfahrern geht es dir hoffentlich um die rechts abbiegenden Radler, denn sonst wird’s sehr bedenklich. Zu dem Thema gibt es in Deutschland Versuche, wobei es in Nachbarländern schon Standart ist. https://de.wikipedia.org/wiki/Rechts_abbiegen_f%C3%BCr_Radfahrer_frei Ich denke, ein guter Vergleich ist der grüne Blechpfeil. Im ehemaligen Ostdeutschland war der üblich und sollte nach der Wiedervereinigung auch im Westen eingeführt werden. Das klappte nicht so gut. Wohl auch, weil sich einige von der neuen Freiheit überfordert fühlten.
      Das rechts Abbiegen an der roten Ampel finde ich selbst gut, weil es dem Verkehrsfluss oft zuträglich ist. Natürlich muss dabei auf den querenden Verkehr geachtet werden.

      Mein Vorschlag bei vermeintlichen Geisterradlern in der Einbahnstraße ist: Achtsam sein!
      Die meisten Einbahnstraßen dürfen von Radfahrern in beide Richtungen genutzt werden. Guckt euch an und lasst euch gegenseitig genug Platz.

      Mit dem Rad über die Bundesstraße zu fahren ist bei reichlich Verkehr nun wahrlich keine Landpartie. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und die geilen Partys fanden immer im Jugendclub drei Städte weiter statt. Was nun gerade den Radfahrer dazu bewegt auf der Bundesstraße zu fahren, weiß ich natürlich nicht. Es kann am Gegenwind liegen, oder daran, dass er mit dem Rennrad von einem 400 km Brevet kommt und einfach schlappe Beine hat. Warum auch immer – ich kann mir besseres vorstellen, als auf der Bundesstraße zu fahren, wenn es einen Radweg gibt. Vermutlich ist der einfach nicht geräumt und nicht ordentlich benutzbar. Lehn‘ dich zurück, mach dir einen guten Song im Radio an und guck zu, wie sich einer abstrampelt. Und wenn dann genug Platz ist, fahr vorbei, wenn du magst.

      Deine Abschlussfrage hast du dir eigentlich schon selbst beantwortet. Weil es Menschen sind. Ansprechen und auf Verstöße hinweisen, finde ich prinzipiell gut. Erwarte aber nicht, dass die Leute direkt einsichtig sind. Keiner mag es, belehrt zu werden und auf die eigenen Fehler aufmerksam gemacht zu werden. Die Leute fühlen sich ertappt, suchen Ausflüchte und finden immer etwas, dass mehr Schuld an der Situation ist, als sie selbst. Letztendlich ist es doch ein Prozess, diese Situationen besser zu machen. Ich gehe davon aus, dass Menschen lernbegabt sind und es irgendwann durchsickert, dass es sinnvoll ist, sich im Straßenverkehr ordentlich und rücksichtsvoll zu verhalten.

  • Hamburg-Radler20 Mai 2017
    Antworten

    Ich zeige immer „Halten auf dem Radweg“ als Verstoß an, da ich Parken schlechter beweisen kann und mag, dafür müsste ich nämlich mindestens zwei Fotos im Abstand von mindestens drei Minuten machen, das ist mir die Sache nur selten wert (die Zeit nehme ich mir manchmal, wenn ich gemütlich auf dem Heimweg bin und gleich mehrere Parker auf dem Radfahrstreifen/Radweg antreffe, was nicht selten vorkommt). Halten ist mit einem einzigen Foto und der eigenen Anzeige bzw. Aussage quasi bewiesen, dafür macht fast niemand ein Verfahren auf.

    „Zeugengeld“ ist wegen des eigenen „Risikos“ bzw. Aufwands für ein Gerichtsverfahren das Stichwort, dazu gibt es auch einen ausführlichen Wikipedia-Artikel. Kurz: Als Anzeigeerstatter wird man (falls es überhaupt dazu kommt) zum Verfahren als Zeuge geladen und kann dafür keine berauschenden Summen abrechnen, allerdings sind Fahrkosten und eine gewisse Entschädigung für den Verdienstausfall und für mögliche andere Kosten quasi immer drin (sowohl für abhängig Beschäftigte als auch für Selbständige).

    Im Verfahren selber wird man in aller Regel nur gefragt, ob die Angaben in der Anzeige richtig sind, und dann hat es sich damit. In aller Regel werden nur sehr neurotische Anwälte zum Verfahren raten, denn die 20 oder 30 Euro lohnen den Aufwand bei einem klaren Fall mit Foto und Zeuge nicht, zumal dann zusätzlich zum Bußgeld dann eben auch die Gerichtskosten und das Zeugengeld vom Verurteilten zu zahlen sind.

    Fotos von Fahrzeugen darf jeder immer anfertigen, die dürfen vom Halter/Fahrer auch nicht „untersagt“ werden, da Fahrzeuge nicht durch Persönlichkeitsrechte geschützt sind.

    Von der Sache mit „auf die Fresse hauen“ und auch schon von Drohungen mit solchen Straftaten ist abzuraten, denn es handelt sich dann um eine Straftat mit ziemlich einfacher Identifizierung des Täters, und Straftaten sind eine andere und schon als Verfahren (von den möglichen Strafen und Schmerzengeldern abgesehen) auch wesentlich teurere Angelegenheit als ein Bußgeld von 20 oder 30 Euro.

    Wegen „Denunziant“ und so:
    Das ist keine Denunziation, sondern eine Anzeige, und zwar eine vom Autofahrer mittels eines tonnenschweren Beweisstücks in aller Öffentlichkeit erbetene Anzeige. Wer gefährdend hält oder parkt, nimmt das daraus resultierende Bußgeld freiwillig und klaren Geistes in Kauf. Ich helfe mit meiner Anzeige lediglich, die durch das Fehlverhalten gezeigte Zahlungsbereitschaft umzusetzen, und hoffe dabei natürlich auch auf den Effekt, dass durch solche Zahlungen die Sicherheitsproblematik von blockierten Radwegen mehr in den Fokus rücken.

    Nach meiner Erfahrung werden im Schnitt pro Stunde Radfahren im Hamburger Straßenverkehr zwei bis drei Anzeigen von Autofahrern erbeten. Ich sende die Anzeigen (nach Klärung mit einigen PK, die immer auf diesen Weg verweisen) auch per Mail an die Behörde, das geht (mittels einer Vorlage) vom Smartphone recht schnell.

    Ich wünsche allen Verkehrsteilnehmern, egal mit welchem Verkehrsmittel sie sich bewegen, einen stets stressfreien und sicheren Weg.

  • Jens23 Mai 2017
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    Ich habe hier in Osnabrück ein ganz ähnöiches Problem mit einem Radweg, der reglemäßig als Parkfläche von Autofahrern missbraucht wird.

    Siehe hier:
    https://twitter.com/parkrocker/status/857904155213664257

    Und hier:
    https://twitter.com/parkrocker/status/866973929780465664

    Der Radstreifen wird dort hochgeführt und man kann ihn nicht benutzen, weil er zugeparkt wird:
    https://goo.gl/photos/wBNCL7vcj2TiWAVo8

    Ich habe das hier mit Interesse gelesen und werde nun jeden Tag wenn ich dort vorbeikomme, eine Anzeige fertigen.
    Bin mal gespannt, was dabei rumkommt.

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