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Indienreise: Tag 4 Die indische Hochzeit

Der Morgen begann mit einem frühen Wecker und ohne Frühstück, da die Fahrt zum Hotel bevorstand, in dem die Hochzeitszeremonie stattfinden sollte.
Die Abfahrt verschob sich dann allerdings von 8 auf 10 Uhr. Das war aber gar nicht so schlimm, da der für 10 Uhr geplante Beginn der Hochzeitszeremonie auch nicht klappte. Die Priester fehlten. Unsere Zimmer waren auch noch nicht fertig und so warteten wir im Raum, während ein Inder einen chinesischen Hilfsarbeiter mit Decken und Kissen belud, dass der kaum noch durch die Tür passte. Er selbst trug nichts. Etwas später klopfte es. Ein anderer Inder und ein weiterer Hilfsarbeiter boten uns indischen Tee an, ohne die Türschwelle zu übertreten. Als der Teeträger dann unaufgefordert in den Raum treten wollte, wurde er sofort zurück gepfiffen. Irritiert holten wir uns dann einfach den Chai an der Tür ab. Bald darauf konnten wir uns aber doch für die Zeremonie umziehen. Florian und Neeti wurden getrennt von einander von Priestern durch ein Ritual geführt. Es gab den bekannten roten Punkt auf die Stirn, der gutes bringen soll und sie wurden mit Öl auf dem Kopf, den Gliedmaßen beträufelt. Zu einem Mantra wurden Reis, Blumen und Wasser gesegnet und mal in die eine Hand, mal in die andere gelegt und dann in eine Schale gelegt. Die eine oder andere Münze und Geldschein wanderten auch in den Topf und wurden nach dem Hochzeitsritual auch geflissentlich vom Priester wieder heraus gesammelt.

Es folgte wieder ein Garderobenwechsel. Florian zog seine goldene Kurta an, und bekam auch einen Turban mit Perlenschleier, dass die Braut nicht direkt das Gesicht des Bräutigams sieht. Bei uns funktioniert es andersrum. Dazu wurde er mit einem Schwert ausgestattet, um sich den Weg zu seiner Braut zu erkämpfen. Zum Glück war das Schwert nur symbolisch dabei. Während Neeti von den Frauen in den Sari geholfen wurde, wartete er in seinem Zimmer, bis Neeti daran vorbei zur Feuerzeremonie getragen wurde.

Die Feuerzeremonie ging etwa 2 Stunden, während derer die Braut offiziell von Vater und Mutter in die Obhut des Ehemannes übergeben wurde. Dazu lasen die Priester Gebete und Mantra. Schließlich wurde das Band zwischen den Ehepartnern gebunden und die Sache fest gemacht. Die englische Redewendung ‚tie the knot’ wurde hier direkt umgesetzt. Das Paar musste dann sieben Mal um das Feuer gehen, wurde dabei aber von den Tanten aufgehalten, die Florian traditionell zusammen am großen Zeh festhielten und am weitergehen hinderten. Er musste dann handeln, bis die Tanten zufrieden waren und sich freikaufen. Erst dann durfte die letze Runde ums Feuer angetreten werden.

Abends bei der Feier saß das Hochzeitspaar dann auf einer schmuckvollen Bank, empfing die Gäste und stand für Erinnerungsfotos zur Verfügung. 600 Einladungen hatte der Brautvater an Freunde und Bekannte und deren Familien verschickt, die auch persönlich übergeben wurden. Wenn jemand nicht angetroffen wurde, wurde später noch einmal hinterher telefoniert. Ein riesiger Aufwand. Die Organisation einer deutschen Hochzeit ist dagegen in Kinderspiel. Musik gab es auch. Der DJ hatte zwar wohl noch nie von Übergangen zwischen den Liedern gehört, das störte allerdings kaum. Es lief vorwiegend indische Tanzmusik in einer Lautstärke, die so mancher Festivalanlage ein Tränchen ins Auge gedrückt hätte. Ich fragte Manish, ob die Anlage nicht etwas laut eingestellt sei. Er wiegelte aber ab. Bei einer indischen Hochzeit kann die Musik nicht laut genug sein.
Mir fiel auf, dass Jungs und Männer tanzten. Frauen und Mädchen natürlich auch. Die Herren der Schöpfung sieht man sonst in Deutschland allerdings nicht so geschlossen auf dem Tanzparkett. Für mich war es auch ungewohnt, dass ein Freund von Manish zu mir kam und mir in gebrochenem Englisch klarmachte, dass er mit mir tanzen wolle. In Indien gar kein Problem. Hier laufen auch Männer, die sich freundschaftlich mögen Hand in Hand durch die Straßen. Auf der Dachterrasse gab es Abends nur noch Zutritt für Männer. In einer Ecke wurden am Nachmittag ein paar Tische und ein Sonnensegel aufgebaut. Und darunter gab es dann Bier und Whisky. Natürlich hat keiner der Männer Alkohol mit hinunter in den Tanzsaal genommen. Gesellschaftlich hat Alkohol in Indien einen schlechten Ruf. Zu Hochzeiten wird allerdings schon eine Ausnahme gemacht. Und Hochzeiten gibt es in Indien irgendwie ständig.

Die Fotos wurden mit Pablos Olympus geschossen. Das Titelbild und und die ersten beiden Fotos vom Ritual habe ich geschossen. Die Fotos von der Feuerzeremonie sind von Pablo.







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