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Indienreise: Tag 5 und 6 Besuch der Mall Road und des Staatsmuseums

Der Tag begann mit einem Stromausfall, der dazu führte, dass es in der Dusche kein warmes Wasser gab. Ich bekam davon erstmal nichts mit, da ich lange schlief und sich das Problem schon gelöst hatte, als ich aufstand. Nach dem Frühstück gingen wir aufs Dach um uns zu sonnen. Außerdem wollte Neeti uns Hochzeitsfotos von der Hochzeit ihrer Eltern zeigen. Die sahen dem, was ich gestern erlebt hab recht ähnlich. Am Ablauf der Zeremonie hat sich in den letzten 30 Jahren wohl nichts geändert. Lediglich der Modestil einiger Hosen wies einen deutlichen Schlag auf.

Zusammen mit Pablo wollte ich nach dem Mittag ins Stadtzentrum, um uns endlich Prepaid Karten für mobiles Internet zuzulegen. Die letzen Tage haben wir unsere Smartphones im Flugmodus betrieben und dann auch mal einen Telekom WeekPass für knapp 15 Euro geklickt, der satte 150 MB Datenvolumen enthielt. Das reichte bei mir für ein paar Instagrambilder, einen kurzen Blick in Facebook und Twitter und auf die Mails. An neue Podcasts war dabei nicht zu denken. Wie der WeekPass für eine ganze Woche reichen soll, ist mir schleierhaft. Manish war so nett uns die 6 Kilometer ins Stadtzentrum zu fahren. Wir wollten zuerst laufen, aber hätten uns auf den Hangstraßen mit Sicherheit verlaufen und wären mehrere Stunden unterwegs gewesen. Es war dann auf der Mall, der großen Einkaufstraße Shimlas, gar nicht so einfach ein Geschäft zu finden, das Prepaidkarten zum Kauf anbietet. Aufladen kann man die Karten an jeder Ecke, nur die Registrierung muss über bestimmte Anbieter erfolgen. Glücklicherweise haben wir uns vorher mit den letzten Telekombytes schlau gemacht, was bei der Beauftragung einer Prepaid-Karte in Indien zu beachten ist.

Neben dem Reisepass wird auch die Aufenthaltsadresse in Indien benötigt. Der Verkäufer im Laden versicherte sich mir einem Rückruf bei unserem Gasteber auch, ob unsere Angaben soweit stimmten. Dazu wird allerdings noch ein Passfoto und der Name des Vaters benötigt. Ich hatte zum Glück alles griffbereit. Pablo wurde dann allerdings noch von einem Mitarbeiter zu einem Fotoladen in der Straße gebracht, dass er auch Passbilder bekommt. 80 Indische Rupien ärmer (etwas mehr als 1 Euro) hatte Pablo dann auch ein halbes Dutzend Passbilder und wir konnten mit dem Prozedere fortfahren. Während unsere Angaben zwar nicht in den passenden Feldern, dafür aber auf der blanken Rückseite aufgenommen wurden, strömten immer neue Leute an den Tresen des zur Straße hin offenen Ladens und wieder hinaus. Sie lehnten sich kurz über den Tresen, äußerten ihren Wunsch, während sie mit ein paar Hundert Rupien Scheinen wedelten und sagten dann ihre Mobilfunkrufnummer, die der Verkäufer hinter dem Tresen dann im Austausch gegen das Geld in eines seiner vier Handys eintippte. Offenbar war das die gängige Methode, um Guthaben auf sein eigenes Handy nachzuladen. Irgendwann war der Mitarbeiter dann auch mit unseren Karten fertig und schrieb uns noch die Aktivierungsnummer auf die kleinen SIM-Kartenumschläge. Jeder sollte für seine Karten 250 Rupien (etwas über 3 Euro) bezahlen. Dafür wurde nicht nur die Karte eingerichtet, sondern auch direkt mit 100 Minuten Telefonie und 500 MB Datenvolumen ausgestattet. Für den Gegenwert hätte ich bei der Telekom höchsten einen Tagespass mit 50 MB buchen können. Lächerlich. Ich werde mir die Tage noch ein großes Datenpaket mit 2 oder 4 Gigabyte dazu buchen. Selbst das 6 GB Paket ist mit knapp 12 Euro immer noch günstiger, als einen weiteren 150 MB Datenpass bei der Telekom zu buchen.

Auf dem Rückweg aus der Stadt lernte Pablo dann auch, warum Neeti uns seit Tagen gebetsmühlenartig sagt, dass wir die hier lebenden Affen nicht anstarren sollen. Zwei saßen auf einer Mauer und Pablo guckte natürlich hin. Einer der Affen bemerkte das, riss die Augen auf, formte seinen Mund zu einem großen O und jaulte los. „Nicht die Affen anstarren!“ rief ich Pablo ein paar mal an und legte einen Schritt zu. Pablo bemerkte seinen Fehler und versuchte Schritt zu halten, während der Affe bereits die Mauer herunter kletterte. Zum Glück verstand er, dass wir ihm nicht sein Territorium streitig machen wollten und ließ uns in Ruhe. Diese Affen hier können ziemlich fies werden. Wenn sie mal mit ihrer Kacke nach einem werfen, ist das noch gut gemeint.

 

Die Dusche können wir heute Morgen leider nicht benutzen, da die Wassertanks auf dem Dach fast leer sind. Die Stadt hatte kein neues Wasser hochgepumpt. Das kommt wohl schon mal vor, meinte die Familie. Pablo ist eifersüchtig, da seine Karte auch nach einer Nacht noch nicht aktiv und maunzt mich ständig an, wenn ich mein Handy in der Hand habe. Tja, Glück gehabt.

Wir sind heute alle früher aufgestanden, als die Tage zuvor, weil wir um 9:30 Uhr zum Staatsmuseum fahren wollten. So langsam lerne ich, dass die Zeitangaben in Indien nicht allzu genau genommen werden. Eine Stunde kann sich so eine Verabredung schon mal verspäten. Verwunderlich ist es nicht weiter, dass es gesellschaftlich vertretbar ist, da die Wege oft weit und mit dem hier vorherrschenden Verkehr auch schon mal länger dauern können, als geplant. Und dieses Verständnis von Pünktlichkeit zieht sich dann auch bis in den Haushalt. Um 9:30 Uhr ist das Kitchari für’s Frühstück fast fertig. Gegen 10:30 ging es dann tatsächlich los. Fast das ganze Staatsmuseum besteht aus Ausstellungsstücken über die Götter. Schon am Eingang wird man von einer fast dreitausend Jahre alten Ganesha-Statue begrüßt. Vishnu, Hanuman, Parvati und Kali waren natürlich auch vertreten. Ein Teil der Sammlung widmete sich sogar zeitgenössischer Kunst und ein anderer Teil der Unabhängigkeit Indiens. Es ist sogar ein Briefkopie Gandhis an Hitler aus 1939 dort ausgestellt, in dem Gandhi Hitler klar macht, dass es in seiner Macht stände den Krieg zu beenden und die Menschheit vor einem Schurkenstaat zu bewahren.
Im Anschluss ging es noch einmal in die Mall Road, da Pablos Karte bisher noch kein Netz fand und wir sowieso noch nach Mitbringseln für die Familie gucken wollten. Als Pablo kurz vor dem Laden noch einmal auf’s Handy schaute, hatte er dann doch noch Empfang und freute sich sehr. Wir gingen trotzdem noch zum Airtel, da sich Flo jetzt auch eine Prepaid-Karte holen wollte und wir unser Volumen direkt aufstocken konnten. Also direkt nachdem wir rausgefunden haben, dass die Bedienung nicht der Reihe nach erfolgt, sondern man sich mit dem Geld über den Tresen lehnen und dem Verkäufer dabei sagen muss, was man haben möchte. Dann greift er wieder eines der vier Handys, tippt ein bisschen auf der T9 Tastatur und kurz darauf vibriert das eigene Smartphone mit der Bestätigungs-SMS. Das gefällt mir besser, als die Rubbelkarten, die es bei uns gibt.









XL

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