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SOHN im Uebel & Gefährlich

SOHN im Uebel & Gefährlich

SOHN

Ich habe den perfekten Platz an der Bar ergattert. Hier habe ich den einzigen Sitzplatz am hinteren Ende des Tresens, bei dem ich aber trotzdem die ganze Bühne im Blick habe und so das Konzert, leicht vorgebeugt bei einem kalten Bier genießen kann, ohne mich in die Menge zu quetschen. Zumindest, bis am vorderen Ende so ein Hemd, die Anstandsregeln des Anstehens grob verletzt. Statt sich wie alle anderen anständig anzustellen und sich nach erfolgreicher Flüssigkeitsaufnahme wieder vom Tresen zu entfernen, um wieder im Dunkel der Menge zu verschwinden, bleibt er einfach stehen, nistet sich regelrecht in die Nische an der Bar ein und verdeckt mir so dauerhaft den Blick auf den Act. Um ganz sicher zu gehen, hat er dazu sein rotes Basecap auf, um mit dem Schirm noch mehr Blickfläche zu verdecken. Weshalb trägt er das Ding überhaupt. Hier drinnen scheint weder die Sonne, noch ist hier auch nur ansatzweise genug Platz für einen Baseballplatz. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm seinen bescheuerten Hut vom Kopf zu reißen und in die Menge zu pfeffern, wechsele selbst ans andere Ende der Bar und kürze durch den Raucherbereich hinter der Bar ab. Sofort habe ich wieder freien Blick auf alles, das sich auf der Bühne abspielt. Den Typen habe ich hinter mir gelassen. Scheinbar besteht das Publikum hier vorne nur aus Frauen und kleinen Männern. Einer davon steht neben mir, während ich rücklings an die Bar gelehnt das Konzert verfolge.

Ab hier erklärt SOHN den Saal zum Club, wirft den Stimmverzerrer an, loopt sich selbst und lässt den rhythmisch pumpenden Bass sein Übriges dazu beitragen. Die jungen Frauen tanzen, die Jungs nicken mit dem Kopf. Die Leute haben eine gute Zeit. Ich habe wiederholt ungewollten Körperkontakt mit dem kleinen, jungen Mann neben mir, denn er macht ab und an Platz am Tresen, dass die jungen Damen Getränke bestellen können. Ein edler Ritter in strahlender Rüstung, möchte man fast meinen, bis auf die Tatsache, dass er ihnen unbeholfen in die Auslage stiert, während sie warten. Während der Zugabe „The Wheel“ kommt von der anderen Seite: „Der ist das! Der ist das!“ Fachpublikum ist also auch anwesend. Im Takt des Liedes beginnen wir zu klatschen, als der Künstler aufsteht, er von der Bühne und das Licht angeht.

Schade, dass es schon vorbei ist. Immerhin gab den ganzen Abend gute Musik.
Danke Mehawk (Vorband) und SOHN.

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