Das muss man sich erst einmal trauen

Zu 18 Uhr hatte ich einen Wagen für eine Hochzeitsfahrt reserviert. Online, denn als ich einige Tage zuvor bereits in der Filiale des Autovermieters stand konnte das Angebot, dass ich gerne buchen wollte wohl nur mit Vollkaskoversicherung gebucht werden. Gerne mit reduzierter Beteiligung im Schadensfall, was ein schöner Euphemismus für „teurer“ ist. Ich solle online bestellen, wenn ich das Angebot mit einfacher Haftpflicht buchen wollte. Jeder Mitarbeiter im Kundenservice sollte sich übrigens gut überlegen, ob er einen Kunden wegschickt, der den Weg auf sich genommen hat, um eine Filiale aufzusuchen, noch dazu, wenn die Straße der Filiale Am Stadtrand heißt. Dennoch buchte ich den Wagen zähneknirschend bei dem Web-Portal des Unternehmens. Rechtzeitig zum Termin radelte ich wieder stadtauswärts und betrat dann leicht verspätet die Filiale, denn einen Fahrradständer gab es dort nicht und so musste ich erst nach einem suchen und mein Rad bei einem Unternehmen in der Nähe abstellen. Allzu viele Möglichkeiten zu einer Autovermietung zu fahren gibt es nicht. Dass sich das Unternehmen dann dazu entscheidet Parkplätze statt Radständer anzubieten, bleibt mir unverständlich.

Ich meldete mich am Schalter, wo auch schon kurz darauf meine Bestellung bereit war. Eine Mercedes E-Klasse in Vorstadtproll-Weiß. Der Dame am Schalter viel auch sofort auf, dass ich keine Vollkaskoversicherung ausgewählt hatte. In vorbildlicher Weise ging fing sie mit der Einwandbehandlung an und appellierte an mich, dass auch Parkrempler zu meinen Kosten fallen würden. Alles gut. Ich fahre auf’s Land und parke auf dem Hof. Ein zusätzliches Navi wurde mir, wie letztens bei der Anmietung, nicht angeboten. Gut so. Allerdings ging es nach der Einwandbehandlung in die Up-Sell-Runde. Eine S-Klasse in Silbergrau stünde noch bereit. Und der Aufpreis lag nur bei 20 Euro pro Tag. Das fand ich vertretbar und so buchte ich um. Der Straßenkreuzer wurde vorgefahren, doch kaum saß ich zwei Sekunden im Wagen, musste ich ihn bereits reklamieren. Der Wagen stank nach Rauch, als hätte er die ganze Woche schon in der Drei Freunde Bar geparkt. Damit wollte ich keinesfalls ein Hochzeitskleid durch die Gegend fahren, geschweige denn ein Brautpaar. Der Mann, der den Wagen vorgefahren hatte, guckte mich nach der Beschwerde verständnislos an. „In unseren Mietwagen darf nicht geraucht werden.“, meinte er zur Verteidigung und erwischte mich unerwartet. Auf so eine Antwort war ich nicht vorbereitet. „Das mag ja sein, aber hier drin riecht’s wie ein umgekippter Aschenbecher.“, sagte ich. Der Lösungsvorschlag war, dass der Vormieter das extra berechnet bekommen sollte. Rache! Kalte Rache! Kalt wie der Rauch in dem Wagen. Allerdings half die späte Rache nicht gegen den Gestank und auch nicht beim den Eindruck, dass die Leute bei der Autovermietung um ein gutes Kauferlebnis bemüht seien, wenn sie so einen Wagen neu anbieten, ohne ihn vorher geprüft zu haben. Ich stieg aus, ließ den Wagen stehen und ging wieder ins Büro.

„Ich kann den Wagen leider nicht nehmen. Der ist total verraucht.“, erklärte ich. „In unseren Mietwagen darf nicht geraucht werden.“, sagte die Frau am Schalter. Das war zwar keine neue Information erwischte mich aber wiederum unerwartet. Offenbar findet es nicht im Realitätsbild eines Autovermieters statt, dass Raucher Autos mieten und dann auch in dem Auto Rauchen. Ich fragte, ob ich statt der weißen E-Klasse dann das schwarze Model nehmen könnte, dass ich in der Halle hinten gesehen hatte. Als Gegenfrage kam, ob dahinten eine schwarze E-Klasse stünde. Ich gucke mittlerweile wenig Fernsehen und kann deshalb nicht genau sagen, ob es die Sendung mit der versteckten Kamera noch gibt. Falls es die noch gibt, wurde ich zumindest nicht Ich zeigte durch die halb geöffnete Tür des Pausenraums hinter dem Schalter auf die Bildschirme der Überwachungskameras. Einer davon zeigte die Halle in der die Mietwagen geparkt sind und sagte: „Den da.“

Nach etwas Suchen fand die Frau den Wagen auch im System. Und er war verfügbar. Klasse! Dann kann es ja losgehen, dachte ich. Es musste nur noch der neue Beleg ausgestellt werden, während die schwarze Limousine aus der Halle gefahren wurde. Ich guckte noch kurz auf die Liste der Vorschäden, ging einmal um den Wagen, um sie zu kontrollieren und entdeckte hinten Links tatsächlich noch eine Schramme, die bisher nicht auf der Liste stand. Nicht so klasse. Ich winkte noch einmal den Mann heran, der den Wagen vorgefahren hatte, der dann auch wenig begeistert kam. Er kontrollierte noch einmal Liste und Schramme und wollte wissen, was das Problem sei. Darauf erklärte ich ihm kurz den Unterschied zwischen hinten Links und hinten Mitte und zeigte ihm auch die mittige Macke. Mit schmalen Lippen trug er den Mangel dann direkt auf seinem Smartphone nach, nachdem er den Strichcode am Schlüssel mit der Kamera gescannt hatte. Verrückt, dass sowas geht. Nun musste ich den Beleg nur noch anpassen lassen. Wieder zurück am Schalter guckte mich die Frau an, als hätte sie mich bereits erwartet. Ich erklärte ihr, dass an dem Wagen eine Schramme zuviel sei und der Kollege es gerade nachträgt und ich dazu gerne noch den passenden Beleg hätte. Sie fragte mich, wie sie das machen solle. Die Daten landen ja schließlich nicht direkt bei ihr im System. Fast scherzhaft fragte sie, ob sie es händisch auf dem Leihbeleg festhalten sollte. Na also! Anscheinend waren die Leute hier doch an einer lösungsorientierten Kundenberatung interessiert. Damit hätte ich beinahe nicht mehr gerechnet. Da es das Angebot nun allerdings gab, nahm ich es auch dankend an.

Nach einer Dreiviertel Stunde rollte ich dann doch endlich vom Hof und fuhr in die Nacht. Drei Stunden später verriss ich dann fast das Lenkrad, da diese neumodernen Autos den Fahrer mit einem Warnton und einer Warnanzeige im Tachofeld darauf aufmerksam machen, dass man mal wieder ein Päuschen machen könnte. Danke, aber Danke, nein.

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