Die Gesellschaft ist krank.

Gesellschaft
Vor kurzem war ich beim Arzt. Nichts weiter tragisches. Nur die übliche Grippe, die ich ein Mal jedes Jahr um diese Zeit mitmache. Ich weiß dann ja schon immer was mich erwartet.

Und die Sprechstundenhilfe vor Ort ist auch immer so kulant und fragt, ob es nur um eine Krankschreibung geht, oder ich auch den Doktor sehen möchte.
Das möchte ich. Jedes Mal. Da meiner Krankenkasse letztendlich der Besuch in Rechnung gestellt wird, als wenn ich den Doktor gesehen hätte, setze ich mich immer noch kurz in sein Zimmer und halte einen Plausch mit ihm.

Bis es soweit ist, muss ich aber immer noch ins Wartezimmer. Und das war dieses Mal überraschend leer. Zwei andere Personen waren vor Ort. Ein junges Mädchen und ein junger Mann. Da beide schon möglichst weit von einander im Raum entfernt saßen, war es für mich schwierig mich ebenfalls so weit von den beiden entfernt zu setzen. Gerade wenn man selbst ansteckend ist und davon ausgehen kann, dass es den anderen im Raum nicht besser, wohlmöglich noch schlechter geht, lege ich keinen sonderlich großen Wert auf die Nähe zu Menschen. Kaum saß ich, fragte ich allerdings in die Runde: „Ist es okay, wenn ich das Fenster öffne? Die Luft hier ist sehr schlecht.“ Um ehrlich zu sein, müsste ich je ein Parfüm entwickeln, dass nach Tod und Krankheit riecht, dieser Geruch wäre es gewesen. Das junge Mädchen stimmte meinem Vorschlag sofort aufmunternd zu. Ihr sei die schlechte Luft auch schon störend aufgefallen. Zu fragen hätte sich sich allerdings nicht getraut. Das überraschte mich ein wenig, da dies ja nun wirklich ein leichtes gewesen wäre. Ich setzte mich, wenn auch wieder nur kurz, da ich da auch bereits aufgerufen wurde.

Im Arztzimmer wurde ich gefragt, was ich denn habe. Dass der Arzt hierauf keine ehrliche Antwort will, sondern lediglich eine Auflistung der Symptome, habe ich bereits bei einem anderen Arzt vor längerer Zeit gelernt. Wenn man dem Arzt sagt, was man hat, glaubt dieser es einem sowieso nicht. Stattdessen folgen ein paar Tests, ein bisschen abklopfen, husten Sie mal und etwas vorbeugen bitte. Und die ganze Prozedur zieht sich nur länger hin, als ich es eigentlich wollte. Meistens mit dem Ergebnis, dass der Arzt mir sagt, was ich habe. Nämlich genau das, weshalb ich zu ihm kam. Deshalb sage ich meinem Arzt ab jetzt nur noch, dass er es schon selbst herausfinden müsse, wenn er mich fragt, was ich habe. Schließlich sei er auch der Arzt. Es wird euch nicht weiter verwundern, dass ich darauf noch nie Widerworte gekriegt habe.

Die Zeit, die ich hierbei spare, brauche ich anschließend allerdings meistens in der Apotheke nebenan. Oft, da ich einen Rentner vor mir in der Schlange habe, der sich sicher ist, dass seine Tabletten beim letzten Einkauf, zwar genauso hießen, aber eine andere Verpackung hatten und er die deshalb ja nicht so einfach mitnehmen könnte. Das ist allerdings eine andere Geschichte.

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