Die wundersame Vermehrung der FDP-Follower

Seit ein paar Tagen geht es durch die Medien: Der offizielle Twitter-Account der FDP hat ein wundersames Follower-Wachstum zu verzeichnen, angeblich vor allem aus dem Ausland. Da entsteht schnell der Verdacht des Follower-Kaufs, den die FDP sofort bestritt. Erste Erklärungsversuche: FDP steht im portugiesischem für Filho da puta, analog zum englischem SOB – Son of a Bitch.

Dass dadurch die Follower-Zahlen plötzlich explodieren, konnte ich mir nicht so recht vorstellen, denn auch dieser Traffic müsste ja organisch sein und nicht schlagartig hochschnellen. Also wollte ich mir die Follower der FDP mal kurz etwas genauer anschauen. Beim ersten Blick auf ihr Twitter-Profil dann gleich die nächste Überraschung: Knapp 97.000 Follower sind es schon! Das waren auf den Screenshots vorgestern noch gut 60.000 weniger. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen?

Hier die täglichen Follower-Zahlen der FDP in den letzten drei Monaten von twittercounter.com:

Follower von fp_de in den letzten drei Monaten
Follower von fp_de in den letzten drei Monaten | Quelle: http://twittercounter.com/fdp_de

Zum Vergleich hier die Entwicklung der Google-Suche nach „FDP“:

Das Suchvolumen ist zwar nach Weihnachten gestiegen, aber nicht in ähnlichem Maße. Die Anfragen kommen zudem vor allem aus Deutschland, der brasilianische Traffic beträgt nur 9% des deutschsprachigen (de und ch):

 

Zwei Sachen fallen sofort auf: Seit dem 8. Februar stieg das Wachstum auf rasante zwei bis drei Tausend Follower pro Tag. Vorher waren es durchschnittlich noch 80 pro Tag. Aber dieses bereits auffällige Wachstum wird deutlich in den Schatten gestellt von dem, was gestern passiert ist: 60 Tausend Follower an einem einzigen Tag!

Also habe ich mir bei followerwonk.com einen Report für @fdp_de und den SPD-Account @spdde erstellen lassen. Die SPD dient mir als Vergleichsgröße, da sie mit 32 Tausend Followern einen ähnlich großen Account besitzen und sich die Demographien zumindest grob ähneln sollten (Alter, Land). Hier die auffälligsten Unterschiede:

  • 61% der fdp_de-Follower folgt niemand, bei der SPD (spdde) sind es nur 11%
  • Die Mehrheit der FDP-Gefolgschaft, die sich einem Land zuordnen ließ, kommt aus den USA, bei der SPD kommen die meisten aus Deutschland
  • Zwei Drittel (68%) sind zwischen 3 und 6 Monaten alt (SPD: 12%)
  • 69% haben noch nie etwas auf Twitter geschrieben (SPD: 20%)

Die letzte Statistik ist eigentlich schon eindeutig genug: Die Follower der FDP sind totes Holz. Eine Merkwürdigkeit kommt aber noch hinzu: Während bei der SPD die Follower meist Deutsch sprechen (79%), sind es bei der FDP nur 6%. Nun kommen die meisten „laut eigener Aussage“ aus Amerika und Twitter wird oft auf Englisch genutzt, da würde man die englische Sprache weit vorne erwarten. Aber nein: Zwei von drei Followern nutzen Twitter angeblich auf russisch!

Nun hat sich die FDP ebenfalls von der portugiesischen Schimpfworttheorie verabschiedet und eingesehen, dass es hier um Fake-Accounts gehen muss. Selbst gewesen sei man es aber nicht. Die Seite fandealer.de bewegte man zur Erklärung, dass ein politischer Mitberwerber hier eine Negativkampagne gestartet habe. Das klingt glaubwürdig, denn anscheinend wurde bei den Followern kein großer Wert auf Qualität gelegt.

Ich denke, hier sind zwei Dinge passiert: Zum Einen wurde (von wem auch immer) seit dem 8.2. Follower-Traffic auf @fdp_de geschoben. Auch das zwar auffällig viel, aber über viele Tage verteilt und mit „organischen“ Schwankungen. Dies wurde dann anscheinend diesen Freitag eingestellt, lediglich 149 neue Follower waren noch zu verzeichnen. Dieses Einstellen des Follower-Stroms fällt zusammen mit der Berichterstattung in den Medien über den Follower-Zuwachs. Da hat wohl jemand die Notbremse gezogen, nachdem es auffiel. Dann der Hammer: Gestern, einen Tag später, folgten plötzlich 60 Tausend neue Nutzer dem FDP-Account.

Meiner Ansicht nach können diese letzten 60.000 „Follower“ nur ein boshafter Versuch gewesen sein, der FDP zu schaden. Denn so weltfremd sind sie selbst bei den Liberalen nicht, dass das dort jemand zu diesem Zeitpunkt noch für eine gute Idee gehalten haben könnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.