Eine Wanderung entlang der Seidenstraße. – Zu Besuch beim 30c3.

IMG_5284
NSA, GCHQ, Gema, VDS und, und, und. Derzeit gibt es mehr als genug Akronyme, die versuchen das Internet kaputt zu machen. Was liegt bei einem Hacker-Treffen also näher als die Idee sich ein eigenes zu bauen? Seidenstraße heißt das ambitionierte Projekt beim 30c3 und ist ein Rohrpostsystem, dass dem alten Internet sehr ähnlich ist. Knapp 2 km der gelben Drainagerohre wurden über die verschiedenen Ebenden des CCH verlegt, die die Kapseln durch das Gebäude bewegen. Angetrieben wird jede Kapsel durch den von Staubsaugern erzeugtem Druck im Rohr. Und auch wenn es eher nach Baustelle aussieht, als nach einem Datennetzwerk wurde eine höhere Bandbreite als beim NOC (was zu einem sehr interessanten Speedtest führte) erreicht, als ein entsprechend großer Datenträger durch den Datentunnel schoss. Als Kapseln kann eine normale Pet-Flasche dienen, es gibt aber auch eine Deluxe-Version vor Ort, die in einem 24-Stunden-Druckverfahren aus einem 3D-Drucker gefallen ist. Um den Brandschutz einzuhalten und keine Rohre durch Brandschutztüren zu legen, wurden Übergabestationen eingerichtet, die eine Mensch-Maschine-Koorperation erfordern.

Hinter einen Lichtteppich pumpen Beats aus der Dunkelheit. Meine Augen brauchen einen Moment, um sich an die die neue Beleuchtung zu gewöhnen. Durch die Lounge wandern Lichtkegel in denen, zu meiner Verwunderung, Menschen tanzen. Mitten in der Halle steht der DJ, der mit Drum’n’Bass, Break Beats und etwas Ambient für eine Stimmung sorgt, die geradezu einen angenehmen Flow bei mir auslöst. Die Hallendekokoration tut ihr übriges dazu. Nebelschwaden steigen aus einem Autowrack, aus dessen Windschutzscheibe eine Straßenbake ragt. Darauf drapiert ein Hai. Bier und Mate gibt es an der rustikalen Hütte gegenüber, deren Wände selbstverständlich mit einer Kettensäge, Rehgeweihen und Bildern, die Heimatromantik versprühen behangen sind. Direkt neben den Erfrischungen ist ein Wasserwerfer geparkt. Und wie einen toten Drachen erklettern die Besucher diesen von Innen und Außen und tanzen auf Motorhaube, Dach und Wassertank.

IMG_5302

Die Gängen binden einen stetigen Strom zwischen den Vortragssälen. Es ist voller als im Jahr zuvor und dennoch ist noch genug Platz, denn dieses Jahr stand auch knapp ein drittel mehr Platz zur Verfügung. Wer nicht zu den Vorträgen in den Sälen wollte, hatte die Möglichkeit sich im Hackcenter umzusehen oder auch an einem der vielen Workshops teilzunehmen. Food-Hacking und Lockpicking fühlen mir dabei besonders ins Auge. Außerdem gab es dieses Jahr eine Ecke für ältere Videospiele. Und wer über das Angebot vor Ort oder durch eine Überschneidung im Zeitplan nicht alle Vortäge live sehen konnte, findet beim CCC-TV die Mitschnitte.

Besonders empfehle ich dazu den Vortrag von Linus Neumann, der auch Nicht-Nerds verständlich macht, wie Kluft zwischen sicher Technik und politisch gewollter Technik aussieht, von der wir durch den elektronischen Personalausweis (jetzt: neuer Personalausweis), elektronische Gesundheitskarte und ähnlicher Blitzideen letztendlich alle hier betroffen sind.

Und auch dieses Mal gab es wieder den Jahresrückblick von Fefe und Frank Rieger, der sich außerordentlich von allen Jahresrückblicken der deutschen Fernsehlandschaft unterscheidet. Stellt euch bei dem Programm bereits darauf ein, dass eurer innerer Louis de Funès ab und an hochspringt und mit einem empörten „Nein! – Doch! – Oh!“ einen Realitätsabgleich durchführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.