Einer für alle. Alle für einen. – Der Rundfunkbeitrag

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Na ein Glück hat der Weltuntergang dann doch nicht stattgefunden. Sonst hätten wir wohl kaum miterlebt, wie der Rundfunkbeitrag das Licht der Welt erblickt. Und das betrifft, wie der Weltuntergang, die gesamte Gesellschaft. Und so wie ich derzeit die Berichterstattung wahrnehme, muss es sich für viele wie der Weltuntergang anfühlen. „Das geht natürlich nicht, dass jetzt jeder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlt.“, behauptet der eine. „Naja, geht schon.“, ein anderer.

Die Bundesrepublik Deutschland, in der die betroffene Gesellschaft lebt und arbeitet und für die der Rundfunkbeitrag greift, ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Und eben die soziale Komponente der Definition macht, dass die Bürger alle in einen Topf zahlen und die Dinge, die daraus bezahlt werden, der Allgemeinheit zu Gute kommen. Das bedeutet zum Beispiel, dass jeder einen Anteil daran trägt, dass Kindergärten bezuschusst werden, obwohl gar nicht jeder Kinder hat. Und Straßen intakt gehalten werden, auf denen Milchlaster fahren, obwohl gar nicht jeder einen Führerschein besitzt und mancher noch dazu laktoseintolerant ist. Das bedeutet aber auch, dass man in ein paar Jahren einen entspannten Pfleger hat, der eine gute Betreuung im Kindesalter genoss und neben der homogenisierten Milch auch laktosefreie steht und jeder daheim Muffins backen kann, ohne anschließend flitzen zu müssen.

Und was hat das jetzt mit dem Rundfunk zu tun? Nun, den zahlen jetzt alle. Denkt da mal kurz darüber nach. Das geht so richtig schön durch Mark und Bein. Genau wie die Funkwellen selbst. Mancher, der vorher nichts gezahlt hat, wird nun zur Kasse gebeten. Andere, die vorher nur ein Radio angemeldet hatten, zahlen mehr. Und wer diverse Geräte im Haushalt hat, zahlt überraschenderweise weniger. Das dürfte vor allem Familien und Wohngemeinschaften erfreuen.

Pro Haushalt werden knapp 18 Euro Rundfunkbeitrag fällig. So viel zahlt eine dreiköpfige Familie, wenn sie ein Mal zu McDonalds geht, um dort zu essen. Knapp 18 Euro zahle ich auch alleine, wenn ich mir einen aktuellen Film in 3D im Kino ansehe und eine kleine Tüte Popcorn dazu nehme. Und jetzt soll jeder Haushalt knapp 18 Euro für einen Monat Fernsehen und Radio bezahlen? Da kann man doch wohl nachvollziehen, dass sich ein paar Menschen da aufregen.

Die GEZ heißt jetzt Beitragsservice und ihr Onlineauftritt  leitet nach einem Moment auf die neue Seite zum Rundfunkbeitrag. Außerdem ist ist nicht mehr davon auszugehen, dass der freundliche GEZ-Mann an der Wohnungstür lauscht, ob drinnen ein Radio dudelt, falls er das überhaupt einmal tat, und einem Briefe schickt, ob man nicht irgendwelche Empfangsgeräte zur Anmeldung bereitstehen hätte. Und wenn jetzt alle fleißig in den Topf einzahlen, wird das Geld hoffentlich auch sinnvoll eingesetzt. Oft mag ich sogar, was die öffentlich-rechtlichen so ausstrahlen. Auch wenn ich dann im Spartenprogramm, wie EinsPlus oder ZDFneo hängen bleibe. Da passieren noch junge und spannende Formate.

Deshalb auch ein kurzer Aufruf an die Programmverantwortlichen:

Traut euch was.

Zeigt gute Serien zu einer vernünftigen Zeit. Mit Sherlock (Link zum Eintrag in der deutschen Wikipedia) habt ihr mich überrascht. Nicht nur, dass die Serie recht kurz nach der Erstausstrahlung bei der BBC auch hier ausgestrahlt wurde. Auch die Synchronisation war gut gemacht. Dass die Musiksendung „Later… with Jools Holland“ (Link zum Eintrag in der deutschen Wikipedia) sogar im Original mit Untertiteln im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, ließ mich mit offenen Mund auf den Fernseher starren.

Macht euer Programm zugänglich.

Der Medienkonsum findet längst nicht mehr nur auf den Fernsehern statt. Bietet anständige Live-Streams eurer Programme online an und haltet sie anschließend in euren Mediatheken vor. Das Depuplizieren nach einer Woche ist Mist. Das war es schon im letzten Jahr und wenn jetzt alle den Beitrag zahlen müssen ist es noch weniger zu verstehen, weshalb das, für dessen Produktion gezahlt wurde nicht auch weiterhin verfügbar sein sollte. Und wenn ihr schon dabei seid, euer Programm möglichst vielen zu zeigen, macht es gleich so, dass möglichst viele es verstehen. Das kleine Männchen, dass bei der Tagesschau auf Phoenix mit den Händen wackelt ist gut. Warum gibt es das nicht bei mehr Sendungen? Oder zumindest Untertitel. Es ist doch ein Leichtes die über Teletext zusätzlich anzubieten und später die Zuschaltoption in der Mediathek zu haben.

Überrascht das Publikum positiv.

Irgendwo laß ich mal, dass allein der WDR als einzelne Landesrundfunkanstalt mehr Mittel zur Verfügung hat, als die gesamte BBC. Wenn man dann noch bedenkt, dass es noch acht andere öffentlich-Rechtliche Landesfunkhäuser in Deutschland gibt, muss doch ein enormes Potential brach liegen, dass sich mit wenig Abstimmungsaufwand nutzen ließe. Redet mal mit einander. Dann laufen auch nicht diverse Schlagersendungen parallel zu einander und es wird Platz für neue Ideen.

Also macht mal etwas tolles und beweist, dass der Rundfunk mehr kann als alles was der Dudelfunk der Privaten bietet. Lasst die Quote nicht das Programm bestimmen, andernfalls gibt es bald „Musikantenstadl – Tag und Nacht“ oder „Ich trage einen großen Namen -holt mich hier raus!“ Und vor allem lasst euch von der Politik in den Aufsichtsräten nicht ins Handwerk pfuschen.

Eine Antwort auf „Einer für alle. Alle für einen. – Der Rundfunkbeitrag“

  1. Wirklich guter Artikel. Ich sehe das mit dem Mehrwert für 18 Euro genauso. Verdiene dort allerdings ehrlicherweise auch meine Brötchen. Habe eine Anmerkung: Für das Depublizieren in den Mediatheken nicht die Sender verantwortlich, sondern der Staatsvertrag, der dieses vorsieht. Nur die Programme, die einen Drei-Stufen-Test bestehen, dürfen länger online bleiben.
    Das wurde auf Druck der EU so im Runfunkstaatsvertrag verankert um die privaten Online-Anbieter zu schützen. http://www.ard.de/intern/gremienvorsitzendenkonferenz-der-ard/aus-der-arbeit/dreistufentest/-/id=1024824/16j02nz/index.html

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