Ich steige aus.

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10 Jahre bin ich jetzt in Hamburg und so lange habe ich auch schon eine Abo-Karte für den HVV. Aber damit ist jetzt erstmal Schluss. Ich steig aus, beziehungsweise um.

Fast so lange wie ich in Hamburg bin steht auch schon mein Rad im Keller. Denn aufgrund der schlechten Radwege und meiner damaligen Unsicherheit mit dem Rad auf der Straße zu fahren, verging mir einfach der Spaß am Radfahren. Im letzten Herbst entstaubte ich es allerdings mal so richtig und beschloss damit zur Arbeit zu fahren. Tür zu Tür dauerte es eine Stunde. Das überraschte mich, da ich auch mit dem HVV so lange brauchte. Grund genug, das Experiment weiter laufen zu lassen.

Anfangs fehlte mir ein wenig Schlaf, da ich vor und nach der Arbeit nicht mehr in der Bahn dösen konnte. Dafür musste ich nicht mehr in die gestressten, abgekämpften, überschminkten, oder ausgezerrten Gesichter der Fahrgäste gucken und draußen gibt es in U-Bahnen einfach nicht viel zu sehen. Ich musste nicht 20 Minuten auf eine Bahn warten und mich beim Umsteigen ärgern, den Anschlussbus knapp verpasst zu haben. Das Abteil, in dem sich jemand über einen Döner beugt, der nie gelernt hat einen Döner zu essen und der glaubt, dass die einzige Art Döner zu essen, indem er sich das Ding mit mäßigem Druck ins Gesicht schiebt ist, gehört zur Zeit auch nicht im mein Realitätsbild.

Es gibt natürlich auch schöne Momente im HVV-Alltag. Die klimatisierten Busse sind im Sommer der Hit! Im U-Bahn-Wagon zu WM-Zeiten zu Sprechchören hüpfen ist auch immer ein Erlebnis. Ich fahre auch gerne früh Morgens auf der Fähre zum Fischmarkt oder spiele im Nachtbus mit wildfremden Menschen Karten auf den hinteren Bänken. Aber dafür brauche ich keine Monatskarte. Das Geld spare ich lieber auf ein Zweitrad. Viellicht ein Folding-Bike. Das bekomme ich bei schlechtem Wetter leicht in Bus und Bahn oder in einen dieser Mietwagen, die in der ganzen Stadt rumstehen.

Seit dem Herbst fahre ich fast täglich mit dem Rad zur Arbeit. Eine Woche, in der es durchregnete und ein paar Frühtermine fuhr ich dann doch lieber Bahn. Den Winter fand ich sogar angenehm zum Radfahren. Nach 2 bis 3 Kilometern der Kreislauf in Schwung geraten ist und die Kälte nicht weiter schlimm. Und das mit den vielen Regentagen in Hamburg glauben halt auch nur die Touristen. Ich erfahre viel mehr von der Stadt. Auch wenn der Arbeitsweg oft der gleiche ist, biege ich mit dem Rad manchmal einfach woanders ab, fahre durch eine Nebengasse und lande zum Beispiel in einem Hinterhof oder in einem Park, den ich noch nicht kannte. Und wenn ich mal keine schöne Strecke finde gilt: Es führen immer zwei Wege um die Alster.

Bis dahin,

Tschüss und gute Fahrt!

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Eine Antwort auf „Ich steige aus.“

  1. Ich hatte das hier auch mal gemacht, als die Bahn streikte. Was mich abschreckt: du kommst – zumindest leicht – verschwitzt im Büro an. Die Strecke ist bei mir echt kacke und teilweise lebensgefährlich. Schön schon gar nicht. Ein mal über die Straße, die im Februar schon die Feinstaubgrenze für’s ganze Jahr übersteigt. Nett. Und ab und zu fahre ich dann doch mit der Bahn und es wäre doof, kein Ticket mehr zu haben, denn so teuer das Monatsticket auch sein mag, wenn ich jedes WE mal in die Stadt fahre, zahle ich am Ende an Einzeltickets ja fast das Gleiche.

    In Düsseldorf hättest du mit 10 Jahren Monatsticket rund 7000 Euro ausgegeben. Da kann man sich ein paar Fahrräder von kaufen.
    Ein Klapprad hat den Vorteil, dass man es kostenlos in der Bahn mitnehmen darf, für ein normales Rad muss man – zumindest bei uns – ein Ticket ziehen.

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