Indienreise: Tag 2 und 3 Einleben und Hochzeitsempfang

Halbwegs ausgeschlafen, aber immer noch gerädert sollte der Tag erst einmal mit einer heißen Dusche beginnen. Allein, als ich das Bad betrat und den Blick durchs Zimmer schweifen ließ, war da keine Duschkabine. Auch eine Badewanne stand nicht dort. In Indien scheint es üblich zu sein, dass die ganze Badestube als Dusche dient. Aus der Wand ragte ein kleiner Duschkopf. Darunter ein Paar drehbare Heiß-Kalt-Regler. Unter den Reglern sind dann noch einmal zwei Wasserhähne mit eigenen Reglern angebracht. Die sind dann für die traditionelle Art der Waschung. Einen großen Eimer drunter stellen. Wasser passend aus den Wasserhähnen mischen und mit einem kleineren Eimer Wasser entnehmen und abduschen. Wenn man dann fertig eingeseift und gewaschen ist, kann man sich den Rest aus dem großen Eimer zum Abspülen über den Kopf kippen.

Der Morgen ging danach etwas gestresster weiter, da bisher weder Neetis Kleid für den Hochzeitsempfang, noch das Hochzeitskleid selbst angekommen waren. Vor über einem Monat wurde das Kleid online bestellt und ihr versichert, dass das Kleid pünktlich ankommt, als wir noch in Deutschland waren. Pustekuchen. Bis zur traditionell indischen Hochzeit waren es noch zwei Tage und der Empfang sollte bereits morgen sein. Und das ist zu kurz, um sich auf das Wort eines Onlinehändlers zu verlassen. Gerade, da wir den vermeintlichen Lieferweg gerade erst hinter uns gebracht hatten. Neetis Bruder Manish fuhr das Hochzeitspaar ins Stadtzentrum auf der Ridge, um dort auf dem Markt nach einem passenden Hochzeitskleid zu suchen. Wie sich vor Ort herausstellte, gibt es allerdings keinen Laden für Hochzeitskleider in der ganzen Stadt. Die Lösung war passenden Stoff zu kaufen und diesen zu einem Schneider hier in der Straße zu bringen. Er war etwas überrascht von der Dringlichkeit, übernahm den Job dann aber, auch wenn das für ihn deutlich Überstunden bedeutete.

Mit Manish fuhren wir dann auch noch etwas herum, um uns die Gegend zeigen zu lassen und wanderten eine Runde durch ein in der Nähe befindliches Militärgebiet. Die abgenutzten Gebäude und Fahrzeuge erinnerten mich dabei an die Nachwendezeit in meiner Heimat, nur dass hier noch alles in Benutzung ist und wohl auch auf absehbare Zeit nicht durch Neues ersetzt wird. Ein paar Kinder spielten mit hinter sich aufgestellten Tonnen Cricket auf dem Platz vor den Militärparkhäusern.
Abends lernten wir dann, dass indische Toilettenrohre nicht für die Benutzung von so fünf Deutschen ausgelegt sind. Das extra mitgebrachte Toilettenpapier wandert also erstmal wieder in den Reisekoffer und wir lernen, wie man ein Bidet benutzt.

Wie schon gestern werden wir vom Morgenappell der benachbarten Schule geweckt. Der Trommler hält den Takt, nur der Trompeter scheint noch nicht ganz wach zu sein. Niemand hält die beiden davon ab den Rhythmus für mehrere Minuten zu halten. Zum Frühstück machten uns die Tante und die Neetis Mutter frische Chapati und Dahl, der auch noch nachgereicht wurde, als wir schon mit „Tike“ (Danke, alles gut.) ablehnten. Eltern sind einfach überall auf der Welt gleich, was das Essen ihrer Kinder angeht. Während wir später auf die Gäste für den Hochzeitsempfang warteten, versüßte uns die Mutter die Zeit mit ein paar aufgeschnittenen Guaven. Ich hätte mir so eine Frucht bestimmt nie selbst gekauft, aber ich werde die Fruchtabteilung meines Supermarktes demnächst noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Echt lecker.

Der engere Kreis Verwandter wurde zum Empfang eingeladen. Enger, im Sinne von Sohn des Bruders der Großmutter. Die Terrasse wurde mit bunten Tüchern abgehangen und wir saßen später auf Kissen auf dem Boden und ließen in der Mitte eine kleine Tanzfläche frei. Jeder der dazu kam, wurde aufgefordert zu tanzen. Zur musikalischen Untermalung sangen die Frauen indische Gassenschlager à la „Wer hat die Chapati anbrennen lassen?“ und „Ich muss auf’s Klo. Wo gehe ich nur?“, das dem „Ringlein, Ringlein, du musst wandern“ gar nicht unähnlich ist. Die Inder machen also genauso gerne Quatsch zu Hochzeiten wie wir Deutschen. Wir tanzten natürlich auch und überraschten damit unsere Gastgeber und Gäste. Ein paar indische Tanzschritte hatten wir uns vorher von Neeti zeigen lassen, tanzten aber auch so, wie wir sonst in den Clubs tanzen würden. Mit großen Augen stellte eine Tante fest, dass wir solche Schritte wohl nur könnten, weil wir sonst zu einem DJ tanzten. DJ betonte sie, als ob es sich dabei um die Sichtung eines pinkfarbenen, Regenbogen pupsenden Einhorns handele.

Abends gingen die Männer runter in die gute Stube. Einer der Onkel lud uns zu Blenders Pride Whisky ein, der nur im Himachal Pradesh erhältlich ist. Anschließend aßen wir Dinner und ließen uns danach die Hände mit Henna bemalen. Blumen und Herzen waren die Hauptmotive. Nur eine Frau malte eine Swastika (in Indien ein Symbol für Selbstvertrauen), das wir allerdings wegen der Ähnlichkeit zu in Deutschland verfassungsfeindlichen Symbolen, dann doch in ein anderes Muster abänderten. Bis Hennafarbe getrocknet ist dauert es übrigens sehr lange. Ich habe mich letztendlich für eine knappe Stunde vor den Heißlüfter gesetzt, da ich ins Bett wollte.

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