Indienreise: Tag 7 Erst die Hochzeit, dann die Verlobung

Für heute war ein Ausflug nach Chandigarh geplant. Wir waren von Neetis Freundin Suman zu ihrer Verlobungsfeier eingeladen. Dass wir früh aufstehen mussten, um die 3,5 Stunden Serpentinenfahrt ins Tal anzutreten, störte mich wenig, da ich eh bereits die halbe Nacht wach lag.

Tags zuvor konnte ich nicht widerstehen und holte mir bei Domino’s eine Pizza Salami. Genauer gesagt Chicken Salami, da Schwein wegen des muslimischen Bevölkerungsanteils und Kuh wegen des vorwiegend hinduistischen Glaubens hier sowieso von der Speisekarte gestrichen ist. Mein Magen hatte sich jedenfalls bereits auf die nordindische vegetarische Schonkost eingestellt, mit der uns Neetis Mutter die letzten Tage vorzüglich bekocht hatte. Jedenfalls hatte ich keine besonders ruhige Nacht und für dreieinhalb Stunden in ein Taxi zu steigen, war sicherlich gewagt. Nur, wenn man in Indien ist und sich nicht auf Abenteuer einlässt, hat man was verkehrt gemacht. Im Hotel in Chandigarh gab es sogar Toilettenpapier in der Kabine, oder vielmehr, was hier als Toilettenpapier gehandelt wird. Bei uns daheim ginge es höchstens als Butterbrot- oder Krepppapier durch.
Während wir schon davon ausgingen, zu spät zu sein, ließen sich der zukünftige Ehemann und seine angehende Frau außerordentlich viel Zeit. Knapp drei Stunden wurden wir vom Hotelpersonal regelrecht umgarnt, wenn sie mit Paneer, Frühlingsrollen, frittierten Blumenkohl an unseren Tisch kamen. Der Rest des geschmückten Raumes war bis auf wenige andere Gäste bis dahin leer. Als die Gastgeber dann kamen, wechselte der DJ von bis dahin gemächlicher Lounge-Musik auf ‚Animal‘ von Martin Garrix  als indisch abgemischte Variante, gefolgt von Elli Gouldings ‚I Need Your Love‘ . Das rüttelte uns auf.

Im Verlauf des Nachmittags wurden dann die nach und nach eintrudelnden Gäste begrüßt und mit jedem ein Erinnerungsfoto am Empfangssofa geschossen. Es wurden auch Ringe ausgetauscht und eine Torte angeschnitten. Im Grunde läuft eine Verlobungsfeier ab, wie eine Hochzeit, nur dass auf die Feuerzeremonie vorab verzichtet wird. Dann wurde die Musik aufgedreht und getanzt. Das Paar hat sich übrigens auf Shaadi.com (skurriles Werbevideo hier) kennen gelernt. Das ist quasi das Tinder für arrangierte Hochzeiten. Und später ging es wieder im Dustern den Berg hoch, dass es eine reine Freude war.

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