Indienreise: Tag 8 Sonntags geht’s in den Tempel

Es ist Sonntag und wir haben nichts geplant. Keine Steigungsläufe und keine Holperpistentouren mit Seenotcharakter. Ich beschließe nach dem Wachwerden mich noch einmal umzudrehen und weiterzuschlafen. Als ich wieder wach bin nutze ich das erste mal richtig meine indische Datenoption und lese mich durchs Web.

Nach dem Mittag beschließen ich und Pablo uns zum bloggen auf’s Dach zurückzuziehen. Durch den Funkmasten vor dem Haus müssen wir häufig unsere Stühle verschieben um nicht im kühlen Schatten zu sitzen, währende die Sonne weiter zieht. Im Sonnenschein lässt sich der 2. Advent gut im Hemd aushalten. Da wir das Licht noch für Fotos von der Umgebung nutzen wollten, machten wir uns am Nachmittag auf Erkundungstour. Den Weg vom Haus bergauf kannten wir bereits und so entschieden wir uns bergab zu gehen. Wir waren noch gar nicht weit gegangen, als wir einen kleinen Tempel entdecken, den wir uns genauer anschauen wollten.

Der Tempel besteht aus bunt bemalten Metallplatten und hat Scheiben aus bunter Plastikfolie. Überhaupt sehen hier sehr viele Häuser pragmatisch gebaut aus. Bei dem Aufwand, der betrieben werden muss, um Baumaterial auf den Berg zu schaffen, wundert es mich nicht weiter, dass mit dem gebaut wird, was auf dem Berg ist. Die Tempelpriester entdecken uns, wie wir vor dem Tempel stehen und laden uns direkt in ihr Haus nebenan zum Chai ein. Zwei der Priester kenne ich von der Hochzeitszeremonie. Wir unterhalten uns etwas über den Tempel und werden zu einer Messe eingeladen. Ob wir um 6:30 Morgens oder 18:30 Abends dabei sein möchten ist uns freigestellt. Als wir den indische Tee ausgetrunken haben fragten uns die Priester, ob wir nicht ein paar Erinnerungsfotos mit ihnen schießen können und haben dabei ihre Android-Smartphones schon gezückt. Wir bieten an draußen vor dem Tempel, das letzte Tageslicht zu nutzen und auch unsere Kameras zu benutzen. Schließlich möchten die Priester sich noch bei Facebook mit uns befreunden. Ich bin zwar kein Kirchengänger, aber einen Hindupriester hat nun wirklich nicht jeder zum Freund. Und wenn es nur über das Internet ist.

Wir gingen den Weg vom Tempel noch weiter bergab, bis die Treppe aufhörte und Wildwuchs begann. Auch hier wurde gebaut. Shimla wurde ursprünglich auf dem Plateau der Gegend als Sommerresidenz der Briten während der Besatzung genutzt. Seitdem wächst die Stadt hinunter ins Tal. Allzu weit vom Haus waren wir noch nicht entfernt, als wir den Heimweg antraten. Vielleicht einen Kilometer. Doch jetzt mussten wir den Berg wieder hinauf laufen. Vermutlich auch um Material zu sparen sind Treppenstufen hier höher und deutlich steiler gebaut. Mit jedem Schritt hoben wir unsere Knie über das, was einer DIN-genormte Optimalstufe entspräche und dessen Architekt mit Sicherheit bisher nie etwas von Ergonomie gehört hat und schleppten uns den Berg hoch. Wir schafften es aber schließlich doch. Den Abend ließen wir dann, Pinienkern pulend, mit der Familie beim Klönschnack ausklingen.

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