Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.

Dieses Jahr hatten wir Glück. Die Feiertage sind gut gelegen, sodass viele eine ganze Woche frei bekommen haben und dafür nur wenige Urlaubstage verbrauchten. Ich gehöre dazu.

Erst überlegte ich, bereits am Freitag direkt nach der Arbeit den Weg in die Heimat anzutreten. Da ich allerdings noch ein Weihnachtsgeschenk in Hamburg abzugeben und wenig Lust darauf hatte in einem extrem vollen Zug in meinen Weihnachtsurlaub zu fahren, blieb ich einfach bis Sonntag. So lange blieben offensichtlich auch viele andere Leute, die Richtung Berlin wollten.

Und da etwas Schnee lag und Weihnachten vor der Tür stand musste ja auch ein Zug der Bahn ausfallen. Offenbar der, der vor meinem fuhr, sodass, als ich den Zug betrat, ich nicht weiter als den Aufstieg hoch und bis in den Gang kam. Also stand ich da, die Taschen voller Geschenke und ständig drängten sich Leute mit Reisekoffern vorbei, die bei der Suche nach einem Sitzplatz anscheinend nicht auf die Idee kamen, dass alle anderen Leute im Gang nur da standen, da es keine Sitzplätze mehr gab. Und der Zug fuhr auch nicht los. Doch 10 Minuten nach der eigentlichen Abfahrtszeit geschah etwas, dass durchaus als Weihnachtswunder benannt werden darf. Die Lautsprecher knarzten und es erfolgte die Ansage des Schaffners: „Alle Reisenden mit Ziel Berlin können nun in den ICE am gegenüberliegenden Gleis einsteigen. Dort sind ausreichend Sitzplätze vorhanden.“ Das löste eine kleine Völkerwanderung aus und ehe ich mich versah, saß ich in einem Abteil mit tollen jungen Leuten, wir konnten alle die Füße hochlegen und durch die verspätete Abfahrt verkürzte sich meine Wartezeit am Umsteigebahnhof auf 5 Minuten.

Die Weihnachtsvorbereitungen verliefen überraschend ruhig. Unter den Familienmitgliedern gab es keinerlei Streitereien. Geradezu langweilig war es daheim. Außer kochen, essen und schlafen geschah nichts. Das hatte ich mir zwar anders vorgestellt, aber so machte es mich doch deutlich glücklicher.

geschmückter WeihnachstbaumAuch Heiligabend war alles ruhig. Die Bescherung zogen wir etwas vor, dass mein Neffe seine Geschenke auspacken konnte, bevor es Bettzeit für ihn war. Und nach der Bescherung traf sich die alte Clique bei einem Freund am Rande des Dorfes. Auch dort läuft es üblicherweise entspannt ab. Dieses mal endete der Abend darin, dass ein Freund sich seiner Freundin gegenüber unter aller Sau benahm, alle ihn und sich gegenseitig anschrien und uns vorgeworfen wurde, dass wir uns nicht einmischen müssten, was zugegebener Maßen schwer fällt, wenn alle im gleichen Raum sitzen. Als dann noch ein verfassungsfeindlicher Spruch des aufgebrachten Freundes kam, schlug ich ihm locker, aber mit Zug aus dem Handgelenk in die Klöten. Das war das erste Mal, dass er in der Diskussion einknickte und sich das erste Mal Zeit nahm in Ruhe nachzudenken. Trotz des Weihnachtsgeistes, der während des Abends in uns geflossen war, bekam ich keine zurück gedrückt.

Der nächste Tag begann für mich damit, dass mein Neffe mich mit der Soundfunktion seines neuen Feuerwehrautos weckte. „Großbrand in der Parkstraße. DÜDI! DÜDI! DÜDI!“ Das ganze war für mich gar nicht so nervig, wie ich es wohl vermutet hätte. Tatsächlich stand ich schließlich gut gelaunt, wenn auch etwas gerädert von der Schlafcouch auf, machte mich fertig und ging zum Frühstück mit anschließendem Weihnachtsmittagessen.

Der Spannungshöhepunkt dieses Weihnachten war nicht die Bescherung mit all den schönen Geschenken und glücklichen Gesichtern oder die Auseinandersetzung mit meinem Kumpel.
Das Hoch und gleichzeitig das Tief der Feiertage war das verstopfte Klo. Bei einer Toilette und mit neun Leuten im Haus, stellt sich ein komisches Gefühl ein, wenn das Wasser plötzlich nicht abfließt. Das war eine Situation, die keinen weiteren Aufschub erlaubte. Ich griff mir also den Pümpel, der unserer Familie schon seit Jahren immer wieder einmal gute Dienste leistete, schob ihn in das Fallrohr, entlockte dem Porzellan ein paar glucksende Geräusche und hielt plötzlich den Griff in der Hand. Verdutzt stellte ich fest, das das obere Ende des Stiels irgendwann einmal gebrochen war und das rund gefräste Stück, das eigentlich oben wäre im Gummipümpel gesteckt hatte. Und der steckte jetzt nun kurz vor der Biegung. Tolle Wurst.
Sagen wir es so. Ich fand eine Lösung, die das Weihnachtsfest rettete und mich um eine Erfahrung reicher machte.

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