Öfter mal Backpfeifen auf dem Kiez verteilen.

Es war noch nicht ganz Frühlingsanfang. Aber fast. Ich hatte mich in der Lieblingsbar festgequatscht und musste zum Nachtbus laufen, nachdem wir zusammen abgeschlossen hatten. Ich legte meinen Schal um, zog die Mütze tief ins Gesicht, und klappte den Mantelkragen gegen die Kälte hoch.

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In St. Pauli warteten schon ein paar Leute auf den Bus. Drei Linien fahren dort ab. Der nächste Bus fuhr in 20 Minuten, dann die zweite Linie und anschließend der, mit dem ich heim fahren könnte. Ein junger Mann stand an das Bushäuschen angelehnt und schlief. Nachdem der erste Bus bereits vorgefahren war und ging ich zu ihm, fast ihn leicht an die Schulter und fragte ihn, welchen Bus er nehmen müsse. Keine Reaktion. Ich wiederholte die Frage etwas lauter und rüttelte etwas fester an seiner Schulter. Mit dem gleichen Ausgang wie zuvor. Da es knapp über dem Gefrierpunkt warm war und ich keine Lust hatte, mir auf dem Heimweg um den jungen Mann Sorgen zu machen, gab ich ihm eine leichte Backpfeife.

Wiederholen Sie diesen Vorgang bei Bedarf.

Nach kurzer Zeit war er davon überzeugt, dass die Backpfeifen nicht aufhören würden, solange er wirr stammelt und er besann sich. Er sah sogar ein, dass es keine so tolle Idee sei im stehen zu schlafen. Er musste in meine Richtung, sogar bis zur Endhaltestelle und der Bus kam dann auch schon bald. Wir unterhielten uns noch kurz, bevor er, diesmal im Bus, wieder einschlief.

Im November sei er nach Hamburg gekommen. Aus einem Dorf im schönen Bayern. Seitdem sei ihm das Handy zwei Mal gestohlen worden. Ein Samsung Galaxy und ein iPhone. In sechs Stunden müsse er wieder auf Arbeit sein. Ausschlafen wolle er aber erstmal. Blau machen würde er das nicht nennen. Schließlich hätte er einen Krankenschein.

4 Antworten auf „Öfter mal Backpfeifen auf dem Kiez verteilen.“

    1. Ich denke nicht. Es war spät und die Leute wollten nach Hause und sich nicht um irgendwelche betrunkenen Leute kümmern. Aber die ganze Situation ist ja für alle gut ausgegangen.

  1. Schön, dass es in dieser heutigen Zeit und in dieser rohen Gesellschaft doch noch Menschen gibt, denen das Schicksal anderer nicht ganz gleichgültig ist. Wozu ein paar leichte Backpfeifen doch gut sein können ;-)

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