Pagar por favor!

Wir waren beim Griechen mit der wahrscheinlich besten Lage in der Hamburger Neustadt. Wie es sich für einen Besuch mit einer größeren Gruppe gehört reservierten wir vorab und erschienen auch pünktlich zum Termin. Auch sonst benahmen wir uns wie anständige Gäste. Zugegeben, ich konnte mich nicht sofort für für eine Mahlzeit entscheiden. Das lag aber eher daran, dass ich noch gar keinen richtigen Hunger hatte und nicht daran, dass ich der Bedienung den Tag erschweren wollte. Manchmal hat man das ja. Noch dazu kommt, dass ich mich in der Griechischen Küche nicht auskenne und mir unter manchen Namen schlichtweg nichts vorstellen kann. Bulgur zum Beispiel.

Da warte ich dann lieber ab, bis das jemand bekommt und entscheide dann, ob mir danach gerade der Sinn steht. Und manchmal bekommt man auch einfach nicht das, was man will. Eine bestellte ein großes ruhiges Wasser und bekam ein kleines lautes. Ich bestellte ein kleines Steak (Medium) mit Rosmarinkartoffeln und bekam Rosmarinkartoffeln, daneben ein kleines Steak (well done, wie sich später heraus stellte), überstreut mit Rosmarin. Eine bestellte Moussaka und bekam gar nichts. Zumindest, bis sie nachfragte, wo ihr Essen abgeblieben sei, als alle anderen bereits aßen. Da zu meinem Steak kein Steakmesser gereicht wurde, ging ich an die Theke um mir dort eins geben zu lassen.
Für die Kellnerin muss es sich wie folgt abgespielt haben. Ein Gast nähert sich dem Tresen. Die Kollegin kommt vor ihm aus dem Nebenraum und mokiert sich, über eine Gästin, die ihr Essen nun wohl doch will. Moussaka sei nun wirklich nicht auf der Bestellung gewesen. Das müsse ein Fehler der Gästin sein. Die Kollegin steht mit dem Rücken zum wartenden Gast, der lächelnd mit den Zeigefingern auf dem Tresen trommelt und leicht vor und zurück wippt. Zum Glück ist er nicht in Hörreichweite. – Kurzum, ich bekam mein Steakmesser.

Nachdem alle gegessen hatten und zahlen wollten dauerte es eine Weile, bevor wir gebeten wurden drinnen zu zahlen. Einer, wollte gerne draußen am Platz zahlen. So auch ich. Denn ich hatte keine Lust in einer Schlange zu warten, um mein Essen zu zahlen. Die Schlange löste sich irgendwann auf und wir beide saßen noch vor dem Laden. Eine Kellnerin erkundigte sich, ob wir noch etwas wollten. „Ja, zahlen.“, antwortete der eine. Sie erklärte uns, dass dies zur Zeit nicht ginge, da es nur ein Portemonnaie gäbe mit dem drinnen gerade noch abkassiert wird. Einer erklärte ihr, dass wir auch gerne noch warten, bis die Kollegin drinnen fertig abkassiert hätte. Sie nickte und ging darauf hin wieder rein. Nach einer Weile kam sie ohne Geldbörse wieder raus. Allerdings erkannte sie auch sofort, dass wir noch immer nicht abkassiert wurden rief den Namen der Kollegin nach drinnen und „Pagar por favor!“ Zur Erinnerung: Wir saßen noch immer vor dem griechischen Restaurant. 20 Minuten, nachdem wir eigentlich zahlen wollten, kam die Kollegin dann zum abkassieren. Der eine zahlte zuerst. Ich als letzter fragte, was noch offen sei. Das waren mein Getränk, mein Essen und eine Flasche Wasser. „Oh!“, sagte ich. „Das tut mir leid. Das Wasser gehört nicht zu mir.“ Darauf sie: „Dann musst du deine Freunde halt anrufen und die müssen das bezahlen.“ Und dann entspann sich eine Grundsatzdiskussion, darum wer die Schuld daran träge, wer die Rechnung zu zahlen hätte und was zu gutem Service gehörte. Die Diskussion führte allerdings nicht ich. Der eine sprang direkt an meine Seite und direkt darauf kam der Besitzer des Restaurants dazu, als hätte er nur darauf gewartet. Die Argumente des einen waren soweit alle schlüssig, sachlich vorgebracht und keinesfalls zu hoch angesetzt. Letztendlich ging es lediglich darum dort zu bezahlen, wo wir auch bestellt und gegessen haben. Auf den Plätzen vor dem Restaurant.
Während die beiden sich stritten, sagte ich ich zu der Kellnerin, die mich soeben geduzt hatte: „Ich möchte dann jetzt bitte meine Sachen bezahlen.“ Etwas fahrig legte sie den Belegzettel auf den Tisch, strich meine Sachen ab und meinte: „Achtzahn Fünfzig.“ Ich richte ihr 20 Euro und erwiderte: „Geben Sie mir bitte einen Euro zurück.“ Sie nahm das Geld, schloss das Portemonnaie und gab es an die Kollegin nach hinten, die zum Nachbartisch ging, um dort abzukassieren.

Ich rege mich bei solchen Lappalien nicht auf. Ich bleibe freundlich und ruhig. Ich zahle auch gerne. Und ich gehe mit Sicherheit nicht mehr in dieses Restaurant.

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