Friedrich Dürrenmatt – Der Auftrag

Der Auftrag

Ich sitze in meiner Lieblingsbar und lese Dürrenmatts Novelle Der Auftrag oder Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter, als es plötzlich „Scheiß Intellektuelle“ von hinten über meine Schulter schallt, doch trotz des zweiten Hefe gebe ich dem ersten instinktiven Wunsch, mich gegen den Lärmangriff körperlich zu wehren nicht nach, sondern überlege kurz ob ich die Stimme einem Bekannten zuordnen kann, schaffe dies auch, drehe mich um und sehe mich kurz darauf weiteren Vorwürfen ausgesetzt, da man das Buch ja schon längst gelesen hätte, damals mit sechzehn Jahren bereits, mittlerweile würde der Schreibstil eher dazu führen das Buch zur Seite zu legen, wahrscheinlich da nichts überraschendes für ihn darin zu finden wäre, aber was wolle man machen, da bei dem medialen Überangebot es unmöglich sei, alles sofort zu lesen, zumal ich da auch noch zu jung gewesen wäre, merkt er mit an, wobei er seine Bestellung abgibt, dann mit ihr Kehrtwende macht und sich auf seinen Stammplatz zurückzieht.

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Tanze, als ob dich jemand sieht.

Tanze in Gedanken, wenn du dich schämst zu tanzen. Freue dich darüber wenigstens ein wenig zu tanzen und tanze dann einfach doch.

Tanze, wenn keiner guckt. Und tanze wenn es niemand erwartet. Mach Eins, Zwei, Tipp, wenn du die Treppe der U-Bahn hochkommst. Drehe eine kleine Pirouette an der Haltestange im Bus, wenn dieser doch etwas ruckhaft hält. Tanze auf dem Heimweg durch die Nacht einen Walzer. Schwofe leicht von links nach rechts, wenn du irgendwo warten musst und behalte die Melodie so lange es geht im Kopf. Nicke mit dem Kopf, schnipse oder lass die Finger auf auf deinem Oberschenkel tanzen, während du mit den Zehen wippst. Wenn du meinst nicht tanzen zu können, lerne es. Oder beweg dich einfach zur Musik, wie es sich gut für dich anfühlt. Wenn jemand mit dir tanzen will sage: „Ja.“ Oder sag nichts und geh Tanzen.

Lass die anderen gucken. Sie sind Randgestalten.
Und alles dreht sich um dich.

Aufnahmsweise: Nanne Emelie Live im Überseequartier

Nanne Emelie

Ein Mann steht still am Bass. Ein zweiter sitzt ruhig am Schlagzeug während ein dritter die Finger über das Klavier tanzen lässt. Die Sängerin betritt die Bühne. Sie trägt einen roten Rock mit goldener Schnalle. Ein gelbes Top und eine Bernsteinkette runden das Bild ab. Sie geht zum Bühnenrand und streift die Schuhe ab. Das Konzert beginnt.

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Ich sehe was, das du nicht siehst.

Dem einen oder anderem wird Augmented Reality (AR) ein Begriff sein. Im Groben geht es darum durch technische Hilfe die Umwelt durch Zusatzinformationen zu erweitern. Google hat ein Spiel namens Ingress in der closed-beta veröffentlicht, bei dem es darum geht Portale der gegnerischen Seite zu hacken und zu übernehmen oder eigene Portale zu verteidigen. Das Spiel ist ein bischen wie Geocaching oder Schnitzeljagd und bisher nur offiziell für Android-Smartphones und -Tablets verfügbar.

Inoffiziell gibt es die Beta auch für iOS. Um diese zu installieren geht einfach direkt mit dem Smartphone auf die Github-Seite und wählt am Besten den obersten Link aus dem „daily-updated mirror“. Den Einladungscode erhaltet ihr auf Anfrage nach kurzer Zeit auf Ingress oder vom Haus-Nerd eures Vertrauens. Wer immer noch nicht weiß worum es geht, kann kurz bei Superlevel reinhören. Der Rest schnappt sich jetzt sein Smartphone und geht raus zum Sonntagsspaziergang.

Fragen kostet nix. – Außer vielleicht ein paar Zähne.

Eigentlich wollte ich nur kurz einkaufen gehen. Das lange Wochenende stand vor der Tür und allzu spät wollte ich auch nicht los. Wenn ich zu spät losgehe ist das Brot, das ich mag ausverkauft. Ich kenne das schon. Also los. Hoch vom Sofa!

Ein Stück vor mir lief eine junge Frau. Und plötzlich hörte ich hinter mir schnelle Schritte. Mir stellten sich sofort die Nackenhaare auf. Seit ich überfallen wurde bin ich etwas schreckhaft. Als kurz darauf ein Typ in Badeschlappen an mir vorbei huschte, kam ich mir so dumm vor, wie der Typ beim rennen aussah. Er schloss mit dem Mädchen auf und nahm sie bei der Hand. Anscheinend wollten die beiden auch einkaufen und sie war schon einmal vorgegangen. Doch die beiden blieben stehen. Und dann sah ich, dass er sie nicht bei der Hand, sondern am Handgelenk hielt. Während ich näher kam hörte ich, dass sie Türkisch sprachen. Ich blieb auf ihrer Höhe stehen, nahm die Musik aus den Ohren und fragte, ob alles in Ordnung sei. Die klare Antwort des Mädchen: „Nein.“ Kurz darauf der Typ: „Doch. Geh weiter.“ „Fragen kostet nix. – Außer vielleicht ein paar Zähne.“ weiterlesen