Reisende soll man nicht aufhalten.

Bildschirmfoto 2013-12-03 um 16.44.46

„Da haben wir genau eine Möglichkeit.“, antwortete der Bahnangestellte routiniert und ertappte mich überrascht. Ich hatte wirklich nicht mit einer Lösung gerechnet, als ich mit meinem Anliegen zum Schalter ging. Ich wollte gerne, wie letztes Jahr auch, mit dem Zug nach Berlin fahren. Auch gerne mit dem ICE. Zugegeben, das ist die teure Variante, aber da ich auch Bahn-Kunde mit einer BahnCard 50 bin, plötzlich doch im verträglichen Bereich für eine Reise von anderthalb Stunden angekommen. Aber weshalb ging ich überhaupt zum Schalter, wenn ich doch eine BahnCard habe? Nun, meine ist wieder einmal im November ausgelaufen und meine neue wurde wieder einmal an meine alte Adresse bei meinen Eltern geschickt. Und bisher hatte ich keine Möglichkeit da ran zu kommen. Aber da der Jahresbetrag für die Karte bereits abgebucht ist, eine gültige Karte auf mich existiert und ich meine alte Karte sogar noch vorzeigen kann, dachte ich mir, da müsse doch eine Möglichkeit geben…

Ich malte mir aus, wie ich mein Anliegen schildere und direkt auf Verständnis bei der Person hinterm Schalter treffe. Ich malte mir aus, wie in der Kundendatenbank der aktuelle Status der BahnCard abgerufen wird und ich eine vorläufige BahnCard ausgedruckt und überreicht bekomme. So etwas muss heutzutage doch möglich sein. Ein Entschuldigungsschreiben mit Schalterstempel, dass ich dem Schaffner zu meiner Karte dazu reichen könnte wäre auch schön gewesen. So nostalgisch.

Mit sich immer weiter hebender Augenbraue hörte ich mir den Lösungsvorschlag des Schaltermitarbeiters an. „Sie zahlen den vollen Preis für diese Fahrt. Später können Sie dann den zuviel gezahlten Fahrpreis gegen eine Gebühr von Sieben Euro wieder erstattet bekommen.“ Ernüchternd. Nicht nur, dass ich der Deutschen Bahn den doppelten Fahrpreis auslegen sollte, dass sie mich als ihren Kunden befördert, ich soll auch noch dafür bezahlen, dass sie mir mein Geld wieder gibt? Zudem erfuhr ich auf Nachfrage dass der Zug bereits eine viertel Stunde verspätet sei. Das verärgerte mich.

Und so kam es, dass ich pünktlich nach Berlin aufbrach. Zugegeben, nicht im ICE. Ich stieg spontan auf den Linienbus um. Der braucht zwar länger als der ICE, ist aber für Kurzentschlossene mit 27 Euro immer noch günstiger als die Bahn mit ihrem BahnCard-Getöse. Und den Text habe ich unterwegs geschrieben, hochgeladen und veröffentlicht, denn irgendwer bei der Busgesellschaft hielt es für eine gute Idee den Reisegästen WLAN-Zugang in den Bussen zu gewähren. Kostenfrei. Verrückte Zeiten, in denen wir leben.

Eine Antwort auf „Reisende soll man nicht aufhalten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.